Schwarzwald: Das Wandern ist der Kinder Lust ← 9. Juni 2017

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Im Hochschwarzwald werden kilometerlange Wanderungen zum kurzweiligen Vergnügen. Wir haben einige Wege getestet. Ergebnis: Das Wandern macht den Kindern vor allem dann Spaß, wenn sie die Regeln bestimmen.

Wandern mit Kindern folgt eigenen Regeln.

Erst einmal muss ein ordentlicher Stock her, dann geht es frisch-fröhlich los. Wandern mit Kindern im Schwarzwald. alle Fotos: Reinhard Ilg

„Fünf Kilometer – das schafft die Kleine nie“, sagt mein Mann voller Überzeugung. Klar, dass er skeptisch ist, hat die Vierjährige doch zu Hause kaum Lust, den knappen Kilometer bis zur Kita zu laufen. Doch hier, im Hochschwarzwald, ist alles anders. Das lernen wir Eltern schnell. Selten haben unsere Töchter, vier und acht Jahre alt, die Schuhe schneller an und die Rucksäcke freiwilliger aufgesetzt als im frühlingshaft mild gestimmten Süden.

Ein bisschen kommt man als Familie mit Kindern schon in Erklärungsnot, wenn das Ziel Schwarzwald lautet. Fest haben sich Bilder von dunklen Schwarzwaldhäusern, Kuckucksuhr und Bollenhut-Romantik in die Köpfe der heute Anfang Vierzigjährigen eingebrannt. Freiburg ja, die Stadt ist jung und hipp. Aber der große Rest ringsum? Wohl eher was für Best Ager als für Familien mit abenteuerlustigen Kindern.

Wellnessbauernhof trifft Urwald im Hochschwarzwald

Klar findet man den klischeebehafteten Schwarzwald auch heute noch. Doch insbesondere der Hochschwarzwald, eine eigentlich nur auf dem Papier existente Region zwischen St. Peter im Norden, Löffingen im Osten, Todtnau im Westen und St. Blasien und Häusern im Süden, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der modernsten Ferienregionen des Landes gewandelt. Eine Region, in der sich neben der deutschen Kleinfamilie auch die israelische Großfamilie wohl fühlt. In der in die Jahre gekommene Ferienwohnungen mit etwas Geld und viel Liebe zum Detail in die Moderne geführt werden. In der Bauernhöfe ebenso wie Wellnesshotels um Familien werben; Wanderpfade, Mountainbikerouten und Kletterparkoure den Zeitgeist aufnehmen und gleichzeitig das zum Kult erheben, was der Schwarzwald reichlich zu bieten hat: Wald. Berge. Flusstäler. Natur eben, die unsere Stadtkinder nicht jeden Tag haben. Auch wenn im Hochschwarzwald keine Urwälder stehen – das Naturschutzgebiet um die Zweribachwasserfälle bei St. Peter soll irgendwann einmal wieder zu einem solchen werden – das authentische Erlebnis vermitteln die tannenbestandenen Höhen sehr wohl.

Die Suche nach dem Stock steht am Anfang der Wanderung

Als erstes wird ein ordentlicher Stock gesucht. Den braucht man schließlich zum wandern, erklärt unsere Vierjährige. Die Große lässt sich vom Enthusiasmus der Kleinen anstecken. In Erinnerung an eigene leidvolle Erfahrungen in Kindertagen haben wir den Kindern ordentliches Schuhwerk gegönnt. Die an Skistöcke erinnernden Gehhilfen allerdings sind für unsere Ausflüge in die Natur etwas überambitioniert. Ein ordentlicher Ast, selbst aufgestöbert, von Zweigresten und Ameisen befreit, ist zudem ein Anreiz, sich links und rechts des Weges umzuschauen.

Ausblick über Vogesen und Alpen vom Großen Belchen.

Auch wenn das Gipfelkreuz am Ende interessanter war – der Ausblick vom Großen Belchen über Vogesen und Alpen schlägt selbst die Kinder in Bann.

Die Region Hochschwarzwald macht es einem als Eltern ziemlich leicht, gemeinsam mit den Kindern Natur zu entdecken. Nicht nur, dass jeder erdenkliche Weg auf seine Schwierigkeit hin abgeklopft und mit nützlichen Hinweisen und allerlei Wissenswertem am Wegesrand gespickt ist. Zahlreich sind auch die als Lehr-, Erlebnis- oder Themenpfade angelegten Routen. Vom Zauberweg Hasenhorn in Todtnau über Ortsrallyes und Geocaching bis hin zu Schluchting, einer dem Canyoning nachempfundenen Wanderart entlang von Bachbetten, gibt es praktisch für jede Altersstufe das passende Wandererlebnis. Das Gute an diesen Wegen: Es kommt nie Langeweile auf und das Gemurre über zurückzulegende Wege entfällt. Für das selbstbestimmte Entdecken sind durchorganisierte Themenpfade allerdings weniger geeignet. Touren etwa in die verwunschene Welt der Ravennaschlucht im Höllental haben da mehr Abenteuercharakter. Dort geht es durch Felsgestein und am Bach entlang, über Stock und Stein, notfalls auch mal kletternd.

Seilbahnstation am Schauinsland

Mit der Seilbahn wird die Gipfelstürmerei auch mal bequem erledigt.

Mit der Seilbahn auf den Gipfel

Natürlich können wir mit unseren Kindern nicht die gleichen Strecken zurücklegen wie allein und auch den Altersunterschied kann man nicht wegdiskutieren. Manche Tour ist schlichtweg zu anspruchsvoll, etwa der Rappenfelsensteig oder der Turmsteig. Doch gibt es eine Vielzahl von Wanderungen, die auch kurze Beine bewältigen. Oder es gibt eine spannende Alternative, die Kinder nicht überfordert, Eltern aber ans Wunschziel bringt. Zum Beispiel auf den Gipfel des Belchen. Statt den dritthöchsten Berg des Schwarzwaldes hochzukraxeln, haben wir die Seilbahn genommen. Seit 2001 bringt diese Kabinenbahn Ausflügler in nur wenigen Minuten auf den autofreien Berg. Von der Bergstation ist der Weg zum Gipfel mehr ein kurzer Spaziergang, jedoch dank schmaler Schafpfade, steil abfallender Wegränder und jeder Menge Steine und Pflanzen so abwechslungsreich, dass wir deutlich länger als die ausgewiesenen 20 Minuten benötigen. Wandern ist zwar etwas anderes. Aber die Kinder wollen entdecken, finden, verstehen. Da ist selbst ein touristisch voll erschlossener Berg wie der Belchen, der Wanderpfade in verschiedenen Schwierigkeitsgraden aufweist, ein großer Abenteuerspielplatz. Und obwohl den Kindern die Aussicht meistens egal ist und ihnen das Gipfelkreuz irgendwie näher war, haben unsere Zwei mit großen Augen auf die sich deutlich abzeichnenden Alpengipfel von Tirol bis zu den Dents du Midi in der Nähe des Genfer Sees geblickt und eifrig nach den Namen der einzelnen Spitzen gefragt. Den Abstieg nach Todtnauberg über den Westweg kann man übrigens zur Not auch mit einer kurzen Busfahrt abkürzen.

Ruhepause im Schwarzwald

Auch das ist Schwarzwaldwandern: Moderne Ruheoase – dank südlich warmer Sonne auch im März ein Vergnügen.

Unsere längste Tour ging schließlich über acht Kilometer – ohne Gemecker, aber mit ausgedehnter Eis-Pause auf halber Strecke. Am nächsten Tag wollten die Kinder gleich wieder los. Der Schwarzwald, finden nicht nur sie, ist einfach toll.

Spartipp:

Mit der SchwarzwaldCard ist der Eintritt in 135 verschiedene Erlebniswelten des Schwarzwaldes kostenlos. Dazu gehören Bäder, Museen und Sportanlagen, aber auch Bergbahnen und Skilifte. Und es gibt jede Menge günstige Angebote in Restaurant und Gaststätten. Deshalb eignet sich die Karte besonders für Familien, die viel vorhaben. Die Karte ist immer drei Tage am Stück gültig und kostet für eine Familie mit bis zu drei Kindern (3 bis 17 Jahre) 119 Euro. Für den doppelten Preis ist ein ganzer Tag im Europapark in Rust enthalten. Bei vielen Bonuspartnern ist die Karte auch außerhalb der Kerntage einsetzbar.

Wohntipps:

Helles Holz und Designobjekte statt ausrangierter Sofas und schepperndem Kühlschrank: In den Kuckucksnester genannten Ferienwohnungen der Region Hochschwarzwald werden Bollenhut und Kuckucksuhr zum modischen Statement. Die Tourismusgesellschaft der Region hat seit 2014 insgesamt 16 private Ferienwohnungen gepachtet und in die Gegenwart transferiert. Einheimische Naturmaterialien schaffen Wohlfühlatmosphäre. Vor allem für Familien! Die Kuckucksnester gibt es in unterschiedlichen Größen ab 89 Euro pro Nacht.

"Kuckucksnest" im Schwarzwald

Modern interpretierte Schwarzwaldromantik: In den Kuckucksnestern fühlen sich Familien wohl, die Wert auf Stil legen.

Die Geschichte im Herzen, die Gegenwart im Blick – das könnte als Motto über dem historischen Landgasthaus Zur Linde in Münstertal stehen. Das Münstertal gehört zwar nicht mehr zum Hochschwarzwald, ist aber praktisch um die Ecke. Das 375 Jahre alte, denkmalgeschützte Haus wurde in den vergangenen Jahren behutsam renoviert und mit schickem Mobiliar ausgestattet. Es gibt neun Doppelzimmer, davon zwei kleine Suiten, die praktisch für Familien sind. Von den Zimmern blickt man auf Belchen, Köpfle und das sehenswerte Kloster St. Trudpert. Das Gasthaus, das früher einmal Gemeindehaus und Gerichtsstandort war, lohnt heute schon allein für seine gehobene Küche einen Abstecher.

St. Trudpert und historisches Gasthaus "Linde" in Münstertal.

St. Trudpert weckt mit Glockengeläut: Das historische Gasthaus Zur Linde liegt inmitten des Münstertals, gleich um die Ecke vom Hochschwarzwald. Hinterm Haus rauscht der Bach.

Historisches Gasthaus "Zur Linde" im Münstertal

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