Luxemburg: Hochofen aus dem Herzogtum ← 13. Oktober 2016

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LUXEMBURG: Das kleine Land lockt mit moderne Architektur und Industriekultur. Vor allem im Süden des Herzogtums kann auf den Spuren der Eisenindustrie wandeln.

Schwarzgeld und Steueroasen, das verbinden viele mit der kleinen Nation Luxemburg. Und wenn man dem etwas Positives abgewinnen will: einige der schicksten Gebäude existierten sicher nicht ohne die Finanzindustrie. Allem voran die von Francois Valentiny entworfene Fassade der KPMG im Stadtteil Kirchberg, von Einheimischen liebevoll Apfelstrudel genannt. Der Stadtteil, der in den 1950er Jahren vor den Toren der City hochgezogen wurde, steht für den Aufschwung Luxemburgs. Damals reichte der Platz in der Innenstadt weder für die expandierenden Banken, noch für die Institutionen der Europäischen Union, also ging es raus aufs Land. Oder wie es der Bankangestellte Henri Juda, 68, formuliert: „In Kirchberg war früher nix. Das war Land, welches noch nicht einmal die Bauern wollten.“

Das Sportzentrum Coque hat der Architekt xy geplant. Es ist mit seinem Olympiabecken der Traum aller Bahnenschwimmer. Bademütze ist Pflicht, gibt es dort aber für drei Euro.

Das Sportzentrum Coque ist mit seinem Olympiabecken der Traum aller Bahnenschwimmer. Bademütze ist Pflicht, gibt es dort aber für drei Euro. Der Eintrittspreis ist in der Luxemburg-Card enthalten.

Das hat sich mittlerweile geändert: Heute kostet dort der bebaute Apartment-Quadratmeter 9000 Euro. Interessant ist nicht nur das Bankenviertel, insgesamt residieren im Herzogtum rund 145 Banken, sondern auch das muschelförmige Freizeitcenter Coque, das Museum für Moderne Kunst Mudam und die Philharmonie. Christian de Portzamparc entwarf das rund 110 Millionen Euro Konzerthaus, 2005 wurde es eröffnet. Von außen mutet das spitz zulaufende Gebäude mit 823 Säulen wie ein riesiger Ozeandampfer an, im Innern verstärkt der schräge Boden das Gefühl, sich auf einem schwankenden Schiff zu befinden. Das Museum Mudam, entworfen von Ieoh Ming Pei, beherbergt mit Werken des Belgiers Wim Delvoye eine Maschine, die schön, aber sinnfrei ist: Die „Cloaca“ simuliert die menschliche Verdauung – mit allem, was dazu gehört.

Die Philharmonie (Foto oben) erinnert - mit etwas Fantasie - an einen Dampfer, selbst der Boden im Gebäude verläuft leicht schräg und soll damit das Schwanken des Schiffes auf dem Meer imitieren. Das Konzerthaus liegt im Stadtteil Kirchberg, in unmittelbarer Nachbarschaft viele Banken und europäischer Institutionen und erfreut sich bei Musik- als auch bei Konzertfans großer Beliebtheit.

Die Philharmonie (Foto oben) erinnert – mit etwas Fantasie – an einen Dampfer, selbst der Boden im Gebäude verläuft leicht schräg und soll damit das Schwanken des Schiffes auf dem Meer imitieren. Das Konzerthaus liegt im Stadtteil Kirchberg, in unmittelbarer Nachbarschaft viele Banken und europäischer Institutionen und erfreut sich bei Musik- als auch bei Konzertfans großer Beliebtheit.

Im Süden an der Grenze zu Frankreich liegt Rümelingen. Bis in die 1960er Jahre schufteten dort die meisten Männer im Bergbau. Geschichtslehrer Denis Klein bringt als ehrenamtlicher Führer im Nationalen Bergbaumuseum Besuchern auf eindrückliche Art den „Pfeilerbruchbau“ näher. Besonders hart waren die Arbeitsbedingungen vor dem Weltkrieg II, Helme oder Sicherheitsschuhe gab es nicht, die Bergarbeiter waren Subunternehmer und arbeiteten im Akkord auf eigene Rechnung. Klein: „Die letzte Mine schloss 1981, insgesamt starben 1477 Arbeiter während eines Jahrhunderts Eisenerzabbau in Luxemburg.“ Auch in Belval („schönes Tal“), einem Stadtteil von Esch-sur-Alzette, prosperierte einst Luxemburgs Eisenerzindustrie, übrig geblieben sind nur noch die Hochöfen. Um das Industrieerbe herum hat sich eine neue Siedlung samt Universität gebildet. Die Architektur mutet futuristisch an, die einzige Bank residiert in knallrot – im größten Gebäude des Viertels.

Die Retortenstadt Belval entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenhütte, nur die Hochöfen sind noch stehengeblieben. Heute beherbergt das Gelände Banken, Biotech-Startups, eine Universität und ein Wohnviertel.

Die Retortenstadt Belval entstand auf dem Gelände einer ehemaligen Eisenhütte, nur die Hochöfen sind noch stehengeblieben. Heute beherbergt das Gelände Banken, Biotech-Startups, eine Universität und ein Wohnviertel.

Allgemeine Infos gibt es bei Visit Luxembourg. Empfehlenswert ist die Luxemburg-Card, sie enthält den Eintritt in über 70 Museen und die Nutzung aller Busse und Bahnen des Landes. Inklusive ist auch das Sportbad Coque im Stadtteil Kirchberg.

Sehenswert: Zweistündige Führung inkl. Fahrt mit dem Zug in die Mine im Nationalen Bergbaumuseum kostet nur 9,50 Euro. Für Fan der Industriekultur lohnt sich das Besteigen der stillgelegten Hochöfen Belvals (5 Euro), geführten Tour (7 Euro). Übernachtung: In der City Luxemburgs ist das Seven Hotel kinderfreundlich und schick, DZ ab 125 Euro. Im Süden des Herzogtums, genauer in Lasauvage, liegt das Hotel Presbytere in idyllischer Lage am See, Garten und Terrasse. DZ ab 105 Euro. In dem futuristischen Belval gibt es nur ein schlichtes Ibis-Hotel, DZ/F ab 99 Euro.

La Cure du Table: So lecker isst man im Hotel Presbytere in Lasauvage im Süden Luxemburgs

La table du cure („Der Tisch des Pfarrers“): So lecker isst man im Hotel Presbytere in Lasauvage im Süden Luxemburgs

Essen + Trinken: In Luxemburg-Stadt im Cle de Sol (liegt in der Philharmonie), in der Altstadt der Brasserie Mansfeld Insidertipp: In Lasauvage bietet das Hotel Presbytere mit „La table du curé“ herausragende Gerichte wie Risotto mit Meeresfrüchten oder Entrecotes.

Du interessierst sich für Kunst und Retroschick? Dann schau dir den Artikel über das Bains de Paquis in Genf an.

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