Holland: Der Höllenmaler Hieronymus Bosch ← 11. August 2016

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Das holländische `s-Hertogenbosch ist die Geburtsstadt des Malers Hieronymus Bosch. Die Stadt feiert 2016 das 500. Todesjahr ihres berühmten Sohnes, hat aber weitaus mehr zu bieten.

Schaurig schön: Eins der Fabelwesen Hieronymus Boschs, welches Gäste während der Bootsfahrt auf der Binnendieze entdecken können

Schaurig schön: Eins der Fabelwesen Hieronymus Boschs, welches Gäste während der Bootsfahrt auf der Binnendieze entdecken können

„Passt auf eure Hände auf, es ist hier sehr eng“, ruft Bootsführer Hugo Groeneveld kurz bevor er scharf links in einen Tunnel biegt. Eben noch säumten Häuserwände und Uferböschungen das Flüsschen Binnendieze. Nun herrschen keine zehn Zentimeter Abstand mehr zwischen Boot und Tunnelwand. Dunkelheit. Dröhnende Bässe. Hektisches Gezupfe auf einer Gitarre. Wenige Sekunden später lodern links und rechts Flammen, aus denen Skorpione fliegen, Fische mit langen Beinen staksen und Drachen mit Teufelsfratzen schwirren. Wieder ein paar Sekunden später schweben Engel zu sphärischer Musik im Sternenhimmel. Die Bösen und die Guten, dazwischen gibt es nichts. So hat sich Hieronymus Bosch wohl das Jenseits vorgestellt. Etwa zehn Minuten dauert die 3-D-Filmsequenz, produziert von einem Künstler mit dem sinnigen Namen Mr. Beam. Die acht Bootsinsassen sitzen und staunen, denn damit hatten sie nicht gerechnet. Sie erkunden s`-Hertogenbosch wie sich das für niederländische Städte gehört: Vom Wasser aus. Genauer: Per „Himmel-und-Hölle“-Bootsfahrt auf der Binnendieze, dem Flüsschen, welches die 144000-Einwohner-Stadt kanalartig durchziehen. „In Amsterdam sind es Kanäle, aber die Dieze ist ein echter Fluss“, erklärt Groeneveld. Der Unterschied scheint wichtig zu sein.

Während der Bootsfahrt auf der Binnendieze entdecken die Gäste Figuren aus den Gemälden Boschs

Während der Bootsfahrt auf der Binnendieze entdecken die Passagiere Figuren aus den Gemälden Boschs

2016 jährt sich der 500. Todestag des Künstlers Hieronymus Bosch, bürgerlich eigentlich Jeroen van Aken (=Aachen). Sein genaues Geburtsjahr und sein Todestag bleiben auf ewig ein Geheimnis. Überliefert ist, dass Bosch in einer Künstlerfamilie aufwuchs, bereits der Großvater, der Vater als auch zwei Brüder arbeiteten als Maler, und man weiß auch, dass er im August 1516 im Alter von etwa 66 Jahren starb. Bosch, weltberühmt für seine angsteinflößenden Fusionen aus Mensch und Tier, beschert seiner Geburtsstadt derzeit nicht nur virtuelles Höllenfeuer, sondern auch einen echten warmen Wind. Seit Beginn des Jahres strömen Besucher aus ganz Europa nach `s-Hertogenbosch. „Wir hatten phasenweise eine Auslastung von 99 Prozent. So was kannte ich vorher gar nicht“, sagt Wim van der Stehen, Direktor des Mövenpick Hotels.

Aufkleber, Markisen, Geschirr – überall warten Boschs Fabelwesen

Das Geburtshaus Hieronymusch Boschs inmitten der Fußgängerzone von s'Hertogenbosch

Das Geburtshaus Hieronymusch Boschs inmitten der Fußgängerzone von s’Hertogenbosch

Die ganze Innenstadt befindet sich derzeit im Bosch-Fieber. Die Hauptstadt der Region Nordbrabant ist eine bei den Niederländern beliebte Einkaufsstadt mit den nicht nur allseits bekannten üblichen Ketten, sondern noch individuellen Boutiquen.

An Schaufenstern prangen „Willkommen Hieronymus“-Aufkleber, selbst auf den Markisen prangen Gemälde des Malers und immer wieder trifft man auf die schrägen Kreaturen des Meisters in Form von Skulpturen. Der Name Hertogenbosch rührt daher, dass der einst existierende Wald um die Stadt die Jagdgründe des Herzogs waren, eben der „Bosch“ des Herzogs (Bosch = Wald). Jeroen van Aken änderte seinen Nachnamen in den seiner Heimatstadt, Hieronymus beziehungsweise das niederländische Jheronimus ist die lateinische Variante seines Vornamens Jeroen. Warum er das tat, ist nicht klar, vielleicht um sich so einen besonderen Künstlernamen zu verschaffen, andere behaupten um seine Stadt zu ehren.

Kamp Vught – das Konzentrationslager der Nazis liegt vor den Toren s’Hertogenboschs

Doch Hertogenbosch besteht nicht nur aus Hieronymus und Mittelalter. Auch wer sich für zeitgenössische Geschichte interessiert, ist dort richtig. Nur fünf Autominuten von der Innenstadt entfernt liegt das 1943 von den Nazis errichtete Konzentrationslager Kamp Vught mit zwei sehr sehenswerten Ausstellungen. Seit November 2013 hat die sogenannte Baracke 1B geöffnet. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Schicksal der in den 1950er Jahren aus der ehemaligen niederländischen Kolonie eingewanderten Molukken, die dort – direkt neben der Ausstellung – immer noch in den renovierten Baracken des Konzentrationslagers leben. Im Dokumentationszentrum selbst geht es um die Geschichte des Lagers während des Kriegs: Von dort deportierten die Nazis 1269 jüdische Kinder mit einem sogenannten „Kindertransport“ in das Vernichtungslager Sobibor. Die Hölle, die Hieronymus Bosch aus seiner Fantasie heraus malte, war dort ein halbes Jahrtausend später Realität.

Du interessiert dich für Kunst? Dann geht’s hier zur Gerhard-Richter-Ausstellung und zur Gauguin-Ausstellung in der FondationBeyeler

Du interessierst dich für Museen? Dann finde hier einen spannenden Beitrag über das norwegische Ölmuseum in Stavanger.

Anreise und Tickets: Mit KLM ab ab Basel (ab 144 CHF), Berlin, Frankfurt, Hamburg oder München (alle dt. Flughäfen ab 98 Euro) nach Amsterdam fliegen, von dort eine Stunde mit dem Zug einfach 15,30 Euro (Tickets unter www.ns.nl) oder mit dem Mietwagen nach `s-Hertogenbosch.

Auskunft: Niederlande allgemein www.holland.com, `s-Hertogenbosch www.vvvdenbosch.nl/nl

Übernachten:  Im kleinsten Mövenpick-Hotel der Welt kostet das DZ/F ab etwa 138 Euro. Das Haus wurde gerade renoviert und bietet ein helles, durch offene Architektur geprägtes Ambiente. Ruhige Lage am Rande der Stadt an einem kleinen See nahe der Autobahn. Parken: 7,50 Euro pro Tag. Bustransfer in die Stadt (alle zehn Minuten): 4 Euro täglich für bis zu vier Personen. 2016 buchbar ist das Bosch-Package, enthält 2 Ü/F, abends Vier-Gänge-Bosch-Menü, Bustickets und Eintritt in den Art Center für 162,50 Euro pro Person.

Essen und Trinken

Feine internationale Küche bietet das Restaurant Lux mit Sitz in der Restaurantmeile Korte Putstrat. Ob Sesamlachs oder Spargelquiche als Vorspeise und Surf & Turf oder Kabeljau als Hauptspeise – mit 50 Euro pro Nase wird hier jeder auf feinste Art gesättigt.

Sehr stylish eingerichtet ist das Van Puffelen in der Molenstrat 4 bis 6, ebenfalls zentral gelegen. Auf der Menükarte stehen unter anderem Vitello Tonnato, Spareribs und Fish & Chips, günstig und bei den Einheimischen beliebt, daher vorher unbedingt reservieren.

Ein echter Insidertipp eines niederländischen Taxifahrers marokkanischer Herkunft ist das La Cocotte in der Van Noremborghstraat 109 in ’s-Hertogenbosch. Hier gibt es original marokkanische Küche, am besten dem Koch vorher sagen, dass man ein Mix an echten marokkanischen Speisen möchte. Tel. +31 73 614 7146, leider keine Website, aber über Googlemaps auffindbar.

Sehenswertes

Herzstück der Stadt ist die gotischen Kathedrale Sint-Jans. Es lohnt vor allem der Aufstieg aufs Dach, nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch wegen der Fabelwesen auf den Strebebögen der Kathedrale. Eintritt etwa 7 Euro. Tickets für den Aufstieg hier www.eenwonderlijkeklim.nl/, Infos hier http://www.vvvdenbosch.nl/de/was-unternehmen/top-10-hohepunkten/st-johannes-kathedrale

Ein Highlight ist die Himmel-und-Hölle-Bootsfahrt auf der Binnendieze (bis Ende Oktober). Es geht während 3,6 Kilometern durch lange dunkle Tunnel und durch lichte Parks inmitten der Stadt, inklusive Beamer-Spektakel. Dauer 1,5 Stunden. Pro Person etwa 10 Euro.

Die Bootsfahrt endet direkt am Hieronymus Bosch Art Center, dort sollte man unbedingt die Repliken des Künstlers sowie ein Nachbau seiner Werkstatt bewundern. Eintritt: 7 Euro.

Wachturm des Konzentrationslagers Kamp Vught

Wachturm des Konzentrationslagers Kamp Vught

Ausflugstipp für Geschichtsinteressierte: Nur fünf Autominuten entfernt von `s-Hertogenbosch liegt das Örtchen Vught. Dort betrieben die Nazis von Januar 1943 bis September 1944 in idyllischer Lage ein Konzentrationslager. Ein Museum auf dem KZ-Gelände verdeutlicht die damaligen Lebensbedingungen. Seit November 2013 ist die von dem Musem entfernt liegende Baracke 1B geöffnet. Sie beschäftigt sich u.a. mit dem Schicksal der Molukken, also der zugewanderten Christen der gleichnamigen Inselgruppe, die in den 1950er Jahren in die Niederlande einwanderten und noch heute (!) in den renovierten Baracken des ehemaligen KZs wohnen.

Shopping

s'Hertogenbosch ist ein beliebtes Shoppingziel der Niederländer

s’Hertogenbosch ist ein beliebtes Shoppingziel der Niederländer

Unbedingt probieren sollte man einen der legendären Bosche Bollen (ausgesprochen „Boske Bollen“), eine Art Windbeutel, der innen Schlagrahm enthält und von außen mit Schokolade überzogen ist. Die besten gibt es für 2,20 Euro pro Stück in der Konditorei Jan de Groot, Stationsweg 24, ’s-Hertogenbosch, in der Nähe des Bahnhofs.

Die Edelmeile für Klamotten und Interieur heißt Verweerstraat, schön Einkaufen lässt es sich auch in der Snellstraat und in der Vughterstraat. www.vvvdenbosch.nl/de/was-unternehmen/shoppen

Events: Von 8. Mai bis 10. Dezember 2016 gibt es donnerstags, freitags und samstags nach Sonnenuntergang eine spektakuläre Bosch-3D-Show auf dem Marktplatz, Eintritt frei.

Literatur: Der sehr ausführliche Reiseführer „Niederlande“ von Dirk Sievers im Michael Müller Verlag enthält auch neun Seiten über `s-Hertogenbosch. Zahlreiche Restaurant- und Hoteltipps, auch als Reiseführer für Familien sehr gut geeignet. 732 Seiten, 9. Auflage 2015, 26,90 Euro.

Compliance: Dieser Artikel wurde unterstützt von Mövenpickhotels und KLM (Pressereise).

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