Japan: Osaka und die Region Kansai ← 19. Februar 2015

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Osaka und die Region Kansai bieten Großstadtleben mit Nachtleben und Neonreklame, aber auch viele Tempel mit Tradition und Historie. Der berühmteste steht in Nara und nennt sich Todaiji-Tempel.

An dem heißen Junimorgen herrscht Betrieb in der Lobby des „New Hankyu“ in Osaka, fünf Pagen in dunkelblauen Anzügen stehen bereit, um stetig sich verbeugend den Gästen zu helfen. Die geräumige ockergelb gehaltene Eingangshalle lässt noch nicht erahnen, wie hühnerstallartig die Zimmer sind: Denn nach elf Stunden Flug wird morgens um neun nicht eingecheckt, sondern es geht in das gegenüberliegende Einkaufzentrum am Bahnhof Umeda, dem nördlichen Stadtzentrum Osakas.

Japan_Osaka_by_Night11Junge Japaner in Osaka, die sich gerne fotografieren lassen

„Wir haben noch drei Stunden totzuschlagen“, erklärt uns Asuka, Mitarbeiterin der Stadt. Genau diese Stunden bis zum offiziellen Programmstart hätten alle Anwesenden gern in ihren Zimmern geruht, doch eins lernen Ausländer schnell: Muße hat in Japan keinen Stellenwert, sondern gilt als Zeitverschwendung. So fügen sich die Programmpunkte „just in time“, entsprechend der japanischen Managementlehre „Lean Production“. Vorbei an Kleidern, Süßigkeiten, Mangas, den Comics, mit denen japanische Verlage jährlich 3,6 Milliarden Euro umsetzen, bahnt sich der Tross den Weg durch das Labyrinth unterirdischer Einkaufspassagen zur ersten überirdischen Nudelsuppe. Osaka ist nicht nur Japans Shoppingmekka, sondern auch Gourmethauptstadt.

Die erste heiße Suppe wurde in Osaka erfunden

Hier erfand übrigens ein tüchtiger und wohl von Zeitnot geplagter Geschäftsmann die erste „Heiße Tasse“. Besser schmeckt allerdings die Lokalspezialität Okonomiyaki, eine Art Pfannkuchen (siehe oben), die je nach Gusto mit Gemüse, Ei, Fisch, Fleisch oder Jakobsmuscheln auf heißen Platten vor den Augen des Gastes zubereitet und mit einer dicken Sauce serviert wird. Am besten kombiniert man den Restaurantbesuch mit einem Bummel durch die nächtliche, neonbeleuchtete Fußgängerzone im südlichen Zentrum Namba.

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Neuschwanstein, Hofbräuhaus, Heidelberger Schloss – wir Europäer entdecken nun im japanischen Reisetakt die Region Kansai, deren größte Stadt Osaka mit 2,6 Millionen Einwohnern ist. Wenige Minuten bevor wir ankommen, telefoniert Keiko, unsere deutschsprachige Führerin, mit der „nächsten Station“ – und zwar jedes Mal. So steht das Empfangskomittee bereit, wenn wir mit unserem Minibus einfahren und wir werden schon beim Aussteigen mit einer tiefen Verbeugung, einer Respektbezeugung, begrüßt.

Nara ist die Wiege der japanischen Kultur

Kansai erstreckt sich 500 Kilometer südwestlich von Tokio auf Honshu, der größten der vier japanischen Hauptinseln und gilt mit den Kaiserstädten Kyoto und Nara als Wiege der japanischen Kultur. Unzählige buddhistische Tempel und shintoistische Schreine bereichern die Region. Der Shintoismus ist im Gegensatz zum Buddhismus ein Naturglaube und stammt aus dem Ackerbau. Beide Religionen leben in Japan gleichberechtigt nebeneinander. Wer Geld an den lokalen Schrein spendet, gilt als Shintoist. Wer in den Tempel geht, zählt als Buddhist. Viele Japaner tun beides. Was also tun die Statistiker? Sie addieren: Offiziell sind rund 85 Prozent der Japaner Buddhisten und über 90 Prozent Shintoisten.

Japan_Wakayama_Bansho_Garten10Japan_Wakayama_Bansho_Garten7Japan_Wakayama_Bansho_Garten8Idyllisch am Meer gelegen in Wakayama: Der Garten Bandokoro Teien

Idyllische Plätze abseits der Massen bieten weniger prominente, mittelgroße Städte wie das Seebad Wakayama mit dem auf einem Berg gelegenen Toshogu Schrein. Der wunderschöne Bandokoro Teien, ein kleiner japanischer Garten, liegt wildromantisch wenige Kilometer entfernt vom Zentrum auf einer Felsnase an der Westseite des Kap Saikazaki mit Blick auf eine kleine unbewohnte Insel. Die Stadt Otsu, direkt an Japans größtem Binnengewässer, dem Biwa-See, gelegen, bietet mit dem Hieizan Enryakuji Tempel und Ishiyamadera Tempel kontemplative Orte umgeben von schönster Natur. Otsu liegt nah bei Kyoto und bietet vom Massenauflauf genervten Besuchern Ruhe. Berühmt ist die Stadt Himeji. Sie beherbergt mit ihrer Burg ein Unesco-Weltkulturerbe und einer der schönsten Bauten Japans.

Japan_Osaka_by_Night7Japan by night

Die Großstadt Kobe gibt dagegen einen guten Einblick in das moderne Japan. Seit dort vor 19 Jahren fast 6000 Menschen bei einem Erdbeben starben, wurde die Metropole wieder komplett aufgebaut. Mit ihrer nun weitläufigen Architektur gehört die 1,5-Millionen-Stadt zu den beliebtesten Wohnorten Japans. Sehr sehenswert ist das am Hafen gelegene Erdbebenmuseum, in dem Besucher viel über Ausmaß und Tragik des 17. Januar 1995 erfahren. Kobes Tourismusprofis nutzen ihre Vergangenheit geschickt, in dem sie ihre Stadt mit dem Attribut „dramatic city“ versehen. Japan liegt an der Stoßstelle von vier tektonischen Platten und ist damit eines der am stärksten von Beben bedrohten Länder.

Nara_Halle_Großer_Buddha1Nara gehört mit seiner fünfstöckige Pagode, Japans zweithöchster, und dem Todaiji-Tempel zu den Topzielen für in- und ausländische Touristen. Die Stadt liegt etwa eine Autostunde östlich von Osaka. Zwischen 710 und 794 war Nara, noch vor Kyoto, die erste dauerhafte Hauptstadt. Davor verlegten die Herrscher diese nach dem Tod ihres Vorgängers, da der jeweilige Ort als unrein galt. Tokio wurde übrigens erst 1868 Hauptstadt.

Bereits auf dem Weg durch den Nara-Park zum Todaiji Tempel grasen zahme Rehe und Hirsche neben schlendernden Menschen. Früher fütterten die Mönche das Wild, weil sie die Tiere als Götterboten verehren. Heute erledigen den Job eine Million Touristen pro Jahr. „Vorsicht, die essen alles, auch Papier und Bücher“, warnt Yoshihiko als Götterbote Nummer eins bereits die Hose anknabbert während Götterbote Nummer zwei die Kekse aus der Hand schnappt. Mehr als die Rehe fürchtet die Mitarbeiterin der Stadt Nara nur die Sonne. Sie trägt bei 30 Grad Celsius eine schwarze Jacke, schwarze Handschuhe und schützt ihr Gesicht mit einem schwarzen Sonnenschirm. „Ich bin nicht schrullig. Schauen Sie dort rüber, dort steht noch so eine wie ich“, kontert die Mittdreißigerin belustigt. Bei Japanerinnen liegt vornehme Blässe im Trend, braungebrannte Westeuropäerinnen in Spaghettiträgern entsprechen nicht dem Schönheitsideal.

Japan_Nara_Schulklasse2Schulklasse auf ihrem Ausflug in Nara

Trotz der Massen strahlt der weitläufige Park dank Grünflächen, Teiche und Rehe Weite und Beschaulichkeit aus. Ein gerader Weg führt im Todaiji-Tempel vom Tor zur Halle des Großen Buddhas. Der Todaiji-Tempel ist einer der Sieben Großen Tempel von Nara und das Hauptheiligtum der buddhistischen Kegon-Sekte. Jeder Mensch kann erleuchtet werden, lautet deren zentraler Glaubensgrundsatz. Dunkelbraunglänzend thront der „Daibutsu“ (Großer Buddha) auf einem bronzenen Lotusblatt. Mit 16,20 Höhe und 452 Tonnen Gewicht ist er die größte antike Buddhastatue Japans. Im Jahr 749 lieferten ihn die Handwerker in Einzelteilen an, das Gebäude wurde erst später um den Buddha herum gebaut, berichtet Shushin Ueno, stellvertretender Direktor der Großen Buddha Halle. Der 36-jährige Familienvater stammt aus einer Priesterfamilie, in der jeweils der Erstgeborene Mönch wird.

Beten im Vorbeigehen

Kansais Heiligtümer sind Inseln der Ruhe und stehen in Gegensatz zur Alltagshektik. Eine perfekte Symbiose von beidem bietet der zehn Quadratmeter kleine Tempel Mizukake-Fudomyo inmitten Osakas Fußgängerzone an der Hozenji-Yokocho Straße. An der mit Moos bedeckte Buddhastatue halten vorbeieilende Geschäftsleute kurz inne, beten mit gefalteten Händen wenige Sekunden, spenden 100 Yen und gehen weiter. Alles in allem dauert das Ritual höchstens zwei Minuten – just in time.

Japan_Osaka_Lovehotel2Kein Barbiehaus, kein Disneyland und auch keine Touristenunterkunft, sondern ein „Love-Hotel“ in Osaka. Hier treffen sich junge, unverheiratete Pärchen.

Allgemeine Informationen erteilt das Japanische Fremdenverkehrsbüro unter www.jnto.de oder telefonisch unter 069/20353

Anreise: Ein Direktflug bei der Lufthansa von Frankfurt nach Osaka kostet circa 920 Euro

Unterkunft: In Kobe bietet das Kitagami ordentliche DZ/F ab 12900 Yen. Etwa 40 Minuten von Kobe entfernt im Ort Arima Hot Spring liegt das traditionelle japanische Hotel (= „Ryukan“) Goshoboh, 20 Doppelzimmer, ab 20.000 Yen ohne Mahlzeiten, inklusive Benutzung der heiße Quellen (= „Onsen“). In Osaka bietet das Toyoko Inn Osaka Nanba, im Süden Osakas, fünf Gehminuten vom U-Bahnhof Namba, Doppelzimmer ab 8900 Yen inkl. Frühstück und Internetzugang.

Essen und Trinken

In Otsu: Beim Besuch des Hieizan Enryakuji Tempel im Klubhaus der Mönche Enryakuji Kaikan kann man vegetarisches Essen für Mönche (“Shojin-Ryori“) bestellen, ein üppiger Mix verschiedener Gerichte kostet 2625 Yen, Enryakuji Kaikan 520-0116 Shiga-ken, Otsu-shi Sakamoto Honmachi 4220, Telefon: 0081-77-578-0047

In Osaka: Okonomiyaki „Mizuno“, Addresse: Dotonbori 1-4-15, Chuo-ku, Osaka, Telefon 0081-6-6212-6360, Pfannkuchen je nach Belag zwischen 1500 Yen Öffnungszeiten von 11:00 bis ca. 22:00 Uhr, letzte Bestellung um 21:30,

137 Japanische Yen = 1 Euro (Stand 20. Juli 2014)

Tipp: Top-Sehenswürdigkeiten in Kansai sind der Nara-Park mit zahmen Rehen, der Todaiji Tempel mit großem Buddha und in Himeji das Schloss in Himeji.

Literatur: Reiseführer „Japan“, Reise Know-how Verlag, 4., aktual. Auflage 2014 (16. Juni 2014), 744 Seiten, 24,90 Euro

Japan_Otsu_Ryukan_Frühstück1Japanisches Frühstück im Ryukan Goshoboh

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