Neuseeland mit Kindern (1): Elternzeit am anderen Ende der Welt ← 18. Dezember 2014

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Eileen (38) plant mit Mann und Mäusen (3 Jahre und 7 Monate) ihren Elternzeiturlaub in Neuseeland. Sie erklärt, warum sich eine sechswöchige Reise ans andere Ende der Welt lohnt, wie sie bei der Buchung mit Zwischenstopps in Singapur und Sydney vorgegangen ist und was auf die Packliste gehört.

Lake Wanaka1Warum Neuseeland?

Ich war schon oft in Neuseeland – in Gedanken. Obwohl ich über drei Jahre lang die Pressearbeit für das offizielle Tourismusbüro des Landes gemacht habe, bekam ich nur einmal Gelegenheit, in das Traumland der Auswanderer und Outdoor-Aficionados kennenzulernen. Vor fünf Jahren erkundete ich in einem „Megafamil, einer Art Stippvisite für 200 Reiseprofis, in zehn Tagen das Land. Ja das war kurz, aber der Blick auf die Delfine im Doubtful Sound, die Kajakfahrt im Abel Tasman Nationalpark und der zum Niederknien leckere Flat White-Kaffee in Wellington reichten aus, um meine Liebe für Aotearoa zu entflammen. Sogar Wein wird in Neuseeland angebaut! Fortan steckte ich die gesamte Familie mit meinem Kiwi-Fieber an.

Während ich mein Landeswissen durch die Organisation unzähliger Pressereisen, das Ansehen von Diashows und Filmen sowie durch einschlägige Lektüre weiter vertiefte, zogen die Jahre vorbei. Wir reisten, hatten aber nie länger als drei Wochen Zeit. Die Flitterwochen gingen nach Ecuador, der erste Elternzeiturlaub mit unserer Tochter war ein Road Trip durch Süddeutschland und die Schweiz. Dann kam Baby Nummer zwei und die Idee: Wenn wir den Elternzeit-Monat meines Mannes mit den Weihnachtsferien kombinieren, haben wir sechs Wochen Zeit! Sechs Wochen geschenkte Zeit – ideal für eine Reise ans andere Ende der Welt.

Lake Wanaka3Neuseeland mit Baby und Kleinkind – lohnt sich das?

„Mit zwei kleinen Kindern nach Neuseeland – seid ihr verrückt?“, fragen unsere Großeltern. Befreundete Eltern rufen oft begeistert „Neuseeland – das wird der Hammer!“, aber ihre Blicke sagen etwas anderes, eher in die Richtung „Oh das wäre mir viel zu stressig. Der lange Flug. Allein das Gepäck und dann auch noch der Jetlag.“

Diese Bedenken haben wir auch. Aber wir werden nie wieder sechs Wochen am Stück zusammen frei haben. Und wir können uns keinen schöneren Ort der Welt vorstellen, an dem wir uns einmal ohne gehetztes „Täglich-grüßt-das-Murmeltier“-Gefühl begegnen. Als Familie füreinander da sein, ohne eng getaktete Zeitpläne und Fremdbetreuung – und das in einem Land, das viele als Paradies bezeichnen. Ja, das lohnt sich!

00000021Neuseeland mit Kleinkindern hat seinen Preis

Sechs Wochen freie Zeit für Neuseeland sind toll. Noch viel besser wäre es allerdings, würden diese sechs Wochen nicht im Dezember und Januar liegen. Egal ob Langstreckenflüge, Mietwagen oder Unterkünfte, wir zahlen auf jeden Fall mehr, als Familien, die in der Nebensaison, etwa im März oder April, reisen können. Kompromisse wollen wir aber auch nicht machen. Wir betrachten unsere Reise nach Neuseeland einfach als den Kleinwagen, den wir uns nie kaufen wollten. Konkret: Wir zahlen 5.800 für die Flüge im A380 Singapore Airlines, mit Zwischenstopps in Singapur & Sydney (Sydney nur auf dem Hinweg). Der Mietwagen für 14 Tage kostet inklusive unbegrenzte Kilometer, null Selbstbehalt, GPS und Kindersitzen 839 Euro. Wir haben uns für einen Nissan Wingroad entschieden, einem Fünf-Sitzer mit Platz für drei große Koffer.

Erstaunt hat uns, dass es preislich kaum einen Unterschied macht, mit der Familie in der Hauptsaison einen Camper zu mieten oder in Motels, Cottages und Jugendherbergen zu übernachten. Unsere „Slow Holiday“-Devise hat uns dazu verleitet, mit den Kindern lieber länger an einem Fleck zu bleiben und von dort Sternfahrten zu unternehmen. Unsere persönliche Entdeckung sind die „Baches“ (gesprochen „Bätsches“), einfache aber komfortable Ferienhäuser, die auch die Kiwis gern in ihren Ferien nutzen.

Dramatic sceneryHier ein paar weitere konkrete Tipps für die Buchungen:

  • Die Profis fragen: Wie buche ich die Mutter-Kind-Reihe und welches Hotel auf dem Zwischenstopp ist besonders familienfreundlich? Mit diesen Fragen kennen sich Reiseveranstalter oder spezialisierte Reisebüros aus. Wenn sie das offizielle Trainingsprogramm von Tourism New Zealand absolviert haben, sind sie zudem als „100% New Zealand Specialist“ zertifiziert und umso fitter. Eine umfassende Liste gibt es hier
  • Den 2×12 Stunden-Ritt entschärfen: Ohne Stopover wäre der Mammutflug mit Kleinkindern sicher kein Spaß. Wir unterbrechen ihn für jeweils einen Tag in Singapur. Es gibt noch viele weitere Varianten über die Emirate, die USA oder Asien. Wenn möglich abends fliegen – dann schlafen die Kinder hoffentlich und kommen leichter in den neuen Rhythmus. Bei den Zwischenstopps gleich auch an die Organisation von Shuttles in das Stopover-Hotel denken!
  • Sicher ist sicher: Eine Reise in dieser Preiskategorie ohne Reiserücktrittsversicherung abzuschließen, wäre verrückt. Wir haben ein Rundum-Sorglos-Paket gebucht, in dem auch eine Stornokosten-, Reiseabbruch-, Reisegepäck- und eine Reisekranken-versicherung inklusive Rücktransport enthalten ist.
  • Gepäckplanung: Gepäckbestimmungen bei Langstreckenflügen sind oft verlockend großzügig. Aber all die Koffer, Taschen, der Buggy, der Kindersitz und das Handgepäck müssen eventuell noch mit auf einen Inlandsflug – dort ist häufig viel weniger erlaubt. Ein Trick, den wir uns von den Reisebüroprofis abgeschaut haben: Das Baby einfach als Kleinkind buchten, dadurch hat man oft automatisch 4×23 Kilo frei.
  • Reservieren oder nicht – die Mischung macht´s: Gerade in der Hauptsaison und über die Feiertage sind die Neuseeländer gern im eigenen Land unterwegs. Wer Silvester nicht in einem 0815-Motel am Flughafen verbringen möchte, bucht dann für die wichtigsten Daten doch lieber drei bis vier Monate im Voraus. Für alles weitere setzen wir auf die Empfehlungen, die wir vor Ort bekommen und wollen uns spontan entscheiden.
Packen für Neuseeland: Viele Klamotten-Stapel und eine tanzende Tochter

Packen für Neuseeland: Viele Klamotten-Stapel und eine Tochter, die sich ganz offensichtlich auf die Reise freut!

Unsere Top 10 – Packliste für eine Fernreise mit Kindern:

  • Kinderreisepässe (auf Visabestimmungen achten!)
  • UV Schutzanzüge
  • Regenschutz und Fleecejacken für die ganze Familie
  • Gefrierbeutel mit Zip für Reiseapotheke, Kosmetik & Waschlappen
  • Vertrautes (Schnuffeltuch, Lieblingskuscheltier, Babydecke, ein kleines Familienalbum)
  • Lieblingsbücher und Kindermusik (idealerweise auf dem Tablet)
  • Kompressionstüten (von den Profi-Backpackern abgeschaut, sparen viel Platz)
  • Buggy, der in das Flugzeug-Gepäckfach passt
  • homöopathische Reiseapotheke mit wichtigen Kindermitteln wie Arnica (Beulen und Verletzungen), Apis (Stiche und Schwellungen), Euphrasia (Bindehautentzündung) und einer Calendula-Wundsalbe
  • Mobiler Kindersitz für unterwegs (kann an normalen Stühlen angebracht werden)

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Teil 2: Wie war’s? Der erste Langstreckenflung von Frankfurt nach Singapur

Teil 3: Fazit nach zwei Tagen Singapur: wie man Großstadt mit gejetlagten Kleinkindern überlebt

Teil 4: Ankunft nach dem zweiten Horror-Langstreckenflug in Sydney

Teil 5: Ankunft in Christchurche Neuseeland, Rückblick auf fünf Tage Sydney

Teil 6: Endlich Urlaub: Baden am Lake Wanaka, Schafe streicheln, Sterne-Küche mit Kids, Pinguine

Bilder © Tourism New Zealand, Bild 5 © Eileen Geibig

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