Stavanger: Von der Ölsardine zur Ölhauptstadt ← 3. Juli 2014

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Erdölmuseum im Abendlicht 1Golden schimmern die metallenen Ringe auf Stelzen im Abendlicht der Juninacht. Das Norsk Oljemuseum in Stavanger steht halb an Land und halb in der Nordsee, nur zwei Gehminuten entfernt von der Innenstadt. Das Gebäude gleicht einer Ölplattform. Innen haben die Besucher stets einen Blick auf die offene See. 1999, nach 25 Jahren Planung, eröffnete Norwegens Ölhauptstadt Stavanger dieses fantastische Museum.

Erdölmuseum faszinzierende Architektur 1Das Erdölmuseum dokumentiert die Geschichte des norwegischen Öls technisch, wirtschaftlich, politisch und auch menschlich. Es dokumentiert damit auch, wie aus der Nation der Fischer und Bauern ein reiches Land wurde. Kurzfilme, Hubschrauber und U-Boote zum Erklettern, ein Spielplatz in Form einer Plattform und ein Rettungsstrumpf zum Testen machen das Museum zudem für Kinder spannend.

Empfehlenswert: Eine Führung, in der Besucher erfahren, wie ausgerechnet Stavanger zur Ölhauptstadt wurde. Dies verdankt die Stadt nämlich ihrem damaligen Bürgermeister Arne Rettedal. Der konservative Politiker gehörte zu den wenigen Norwegern, die bereits in den 1950ern und 1960ern an Erdölvorkommen glaubte. Rettedal versprach den US-Öl-Konzernen, dass er Häuser und Straßen für deren Familien bauen würde, wenn sie ihren Sitz in Stavanger wählen, obwohl überhaupt nicht klar war, das Norwegen Öl hat. Die Konzerne wollten lieber nach Bergen und Trondheim, diese boten jedoch keine Extras. Nach einigem Hin und Her entschieden sie sich dann tatsächlich für das arme Stavanger.

Das Norwegische Konservenmuseum steht für den ursprünglich wichtigsten Wirtschaftszweig Stavangers bevor das Öl gefunden wurde: Der Fisch- und Konservenindustrie. Konservator Piers Crocker erklärt, wie die Sardine geräuchert wird und platzsparend in die Dose kommt. Und: Es gab auch Elch (= „Moose“) aus der Dose.

Stavangers wichtigster Wirtschaftszweig, die Fischkonservenindustrie (ebenfalls sehenswert: Das Norwegische Konservendosenmuseum in Stavanger), ging damals gerade durch die Einführung der Tiefkühltruhe den Bach hinunter. Rettedal investierte und verschuldete die Stadt in der Hoffnung, dass es sich auszahlt. Tatsächlich entdeckt wurde das Öl aber erst mit der 30. Testbohrung am 23. Dezember 1969, welches als Norwegens Weihnachtsmärchen in die Geschichte einging. Überflüssig zu erwähnen: Der mittlerweile verstorbene Rettedal gilt als Held der Stadt.

Stavanger Fjordcruising 164Das Erdölmuseum dokumentiert auch die menschlichen Tragödien. Zahlreiche Taucher erlitten Unfälle bei den damals notwendigen Pioniertauchgängen. Als „Schwarze Tage der Ölgeschichte“ beschreibt es den Unfall auf der Alexander-Kielland-Plattform am 27. März 1980, bei dem die Wohnplattform mit 212 Menschen Schlagseite bekam. Nur 89 überleben, 123 Besatzungsmitglieder sterben.

Spannend auch zu erfahren, wie Norwegen mit seinen Petro-Kronen umgeht: Es sammelt die Steuereinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft in einem staatlichen Pensionsfonds, der mittlerweile rund 544 Milliarden Euro umfasst. Für hoheitliche Aufgaben dürfen nur vier Prozent der Zinseinnahmen ausgegeben werden. Ironie des Schicksals: Norwegen selbst benötigt kaum Energie aus Öl, es gibt auch kein einzige Atomkraft- oder Kohlekraftwerk in Norwegen. Geheizt wird in Norwegen mit Strom, der zu 100 Prozent aus einer erneuerbaren Quelle stammt: der Wasserkraft.

Allgemeine Informationen: www.regionstavanger.com

Anreise und Tickets: Ab Ffm Direktflug nach Stavanger mit Lufthansa, ab Düsseldorf und Hamburg mit SAS über Oslo, ab Basel und Hannover mit KLM über Amsterdam, Museumseintritt Erdölmuseum 100 NOK (= ca. 13 Euro), Museumseintritt Norwegisches Konservenmuseum  70 NOK (ca. 9 Euro), mit letzterem 50 Prozent auf den Eintritt des Erdölmuseums

Übernachtung: DZ/F am WE ab 98 Euro im Skansen Hotel og Gjestehus, eine Gehminute zum Museum

In direkter Nachbarschaft des Erdölmuseums: Das Einkaufsviertel mit farbenfrohen Häusern, orginellen Geschäften und gemütlichen Cafés (Foto unten)

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