Buchtipp: Brasilien für Insider, Fünfzig mal Mund auf Brasilien ← 9. Juli 2014

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Brasilien fuer Insider von Andreas WunnIch rezensiere etwa 10 bis 15 Bücher pro Jahr. Und es kommt selten vor, dass ich ein Buch von vorne bis hinten mit Vergnügen komplett durchlese. Bei „Brasilien für Insider – Nahaufnahmen eines Sehnsuchtslandes“ von Andreas Wunn ist dies der Fall. Wunn schrieb ja schon ein Brasilien-Buch mit dem genialen Titel „In Brasilien geht’s ohne Textilien“, welches ich (noch) nicht gelesen habe. Im aktuellen Werk beschreibt ZDF-Korrespondent Wunn, der seit 2010 in Rio de Janeiro lebt, in 17 Kapiteln und spannenden Minireportagen seine neue Heimat. Angefangen vom Leben Rosangelas, Wunns Haushälterin, die täglich zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück zu verschiedenen Arbeitgebern nach Rio im Bus fährt über die Entstehungsgeschichte des Bossa Novas und des berühmten Songs „Garota de Ipanema“ (The Girl from Ipanema) bis zu Gummischlappen, brasilianischem Karneval und einem zu erwartenden Kapitel über brasilianische Berühmtheiten wie Oscar Niemeyer, Ayrton Senna und Giselle Bündchen. Wunn widmet sich aber auch den sozialen Gegensätzen. So besucht er einerseits den Nachkommen des letzten Kaisers von Brasilien, einem Nachfahren des portugiesischen Königshauses, in seiner Villa in Paraty. Andererseits schildert Wunn das Leben in den Favelas Rios, darunter des Armenviertels Vidigal, in dem bis 2011 die Drogengangs herrschten und es zu brutalen Kämpfen zwischen Spezialeinheiten der brasilianischen Militärpolizei und Drogenkartellen kam.

Jedes Buchkapitel hat einen Protagonisten – und das macht das Sachbuch auch so lesenswert. Für das Fussball-Kapitel besuchte Wunn übrigens den brasilianischen Ex-Bayernspieler Giovane Élber auf dessen Rinderfarm in Mato Grosso – oder wie Wunn im Prinzip es schreibt – in the middle of the brazilian nowhere. Anhand von Élbers Biografie wird dem Leser klar, warum Fußball in Brasilien so wichtig und auch so ein emotionales Thema ist. Der in Deutschland beliebte Fußballspieler, der in Brasilien übrigens relativ unbekannt ist, stammt als fünfter Sohn aus einfachen Verhältnissen. Der Vater arbeitet als Portier und isst weniger, damit die Jungs genug haben, die Mutter schuftet als Hausangestellte, der kleine Giovane lernt den Fußball auf der Straße, fällt 15 Mal bei Probetrainings durch und schafft es irgendwann doch. Mit 19 wechselt er zum AC Mailand, der Rest ist Geschichte: Viermal deutscher Meister, mit dem FC Bayern gewann er die Champions League. Fußball in Brasilien ist nicht nur Sport, sondern ermöglicht einzelnen Menschen den märchenhaften Aufstieg in die Oberschicht. Für die Mehrheit der Brasilianer bleibt ein für die Deutschen normales Mittelschichtsleben ein unerfüllter Traum. Brasilien für Insider – Nahaufnahme eines Sehnsuchtslandes, 14,99 Euro, Heyne Verlag, München

Cover_50xBrasilienWer Brasilien kulinarisch entdecken will, dem sei das Werk „Fünfzig Mal Mund auf in Brasilien – was man gegessen haben muss“ von Susanne Gerber-Barata empfohlen. In dem kleinen Büchlein stellt die Autorin mit zahlreichen Fotos und kurzen Texten 50 typische Speisen und Getränke des Landes vor. Angefangen mit Guaraná, einem Saft aus einer Lianenpflanze, die Koffein enthält, über Kokoswasser bis hin zur Schweizer Limonade, die nur dann schweizerisch wird, wenn man Kondensmilch zu den pürierten Limonen (samt Schale!), Wasser und Eiswürfel hinzugibt. Aber auch Gerichte wie Pato ao Tucupí (Ente in Manioksoße), Feijao Tropeiro (Bohnen nach Art der Eroberer) und die für Brasilien typische Feijoada (Bohneneintopf) werden porträtiert – ohne Rezepte, dafür aber mit spannenden Hintergrundinformationen sowie Bildern, die Appetit machen. Eignet sich hervorragend für experimentierfreudige Brasilienreisende, die sich mit einer kompakten Lektüre durch das Land von Restaurant über Kneipe bis zum Markstand und wieder zurück schmausen wollen. Fünfzig Mal Mund auf in Brasilien – was man gegessen haben muss, 11,95 Euro, Edition Reiseratte, Frankfurt

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