Jordanien: Petras vergängliche Pracht ← 28. Juni 2014

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Jordanien Petra SchatzhausPetra gleicht einer Filmdiva: sie ist wunderschön, aber anstrengend (English version). Wer den ersten Kilometer Schotterpiste vom Eingangstor bis zum Siq überwunden hat, der engen Schlucht, die zum berühmten Schatzhaus führt, denkt: Ein Großteil ist geschafft. Irrtum: Es fängt erst an. Dass der Hinweg leicht abschüssig ist, wird sich beim Rückweg rächen, wenn der Besucher erschöpft von Fußmarsch und Fassaden schnellstmöglich zurück will.

Jordanien Petra Fels in Tierform. Die 15 Farben Petras lassen sich am besten am Spätnachmittag bewundernLeuchtende Farben: Die „fünfzehn Farben Petras“ sind an diesem „Tier“ im Abendlicht besonders gut zu sehen – nachzählen!

Petra ist ein Weltkulturerbe, dass sich der Besucher erarbeiten muss. Stets zu Fuß unterwegs bei warmen Temperaturen einerseits. Zum anderen muss man gefühlt tausend Händler abwimmeln, darunter leider auch kaum Sechsjährige, die Getränke, Tücher, Kamel-, Esel- und Pferdetaxis sowie Souvenirs an Touristen verkaufen wollen. Der Tourismus in Jordanien ist seit dem Bürgerkrieg in Syrien um etwa 80 Prozent eingebrochen, die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 14 Prozent, die inoffizielle bei 30, 1300 von insgesamt 1500 Reiseführern haben derzeit keine Arbeit. Jordanien hat kein Erdöl, Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor des Landes. 86 Prozent der Jordanier leben unter der Armutsgrenze von 1100 Jordanischen Dinar (etwa 1144 Euro). Jordanien leidet an chronischer Wasserknappheit, gerade mal 90 Liter stehen pro Person und Tag zur Verfügung, die WHO schreibt 100 Liter pro Person und Tag als Minimum vor. Die syrischen Flüchtlinge aus dem Norden, die Jordanien aufnimmt, verschärfen die sozialen Probleme. Es besteht keine Gefahr für Touristen, aber all das sollten Reisende wissen, die sich in den touristischen Hotspots bewegen.

Auf dem Weg zu Ed Deir lassen sich Touristen gerne an Abgründen fotografierenAufstieg zum Kloster

Petra ist einer davon. Einmal im Leben sollte jeder Petra sehen. Petra gehört nicht zu den Sehenswürdigkeiten, die im Reiseführer spektakulär ausschauen und in echt mickrig sind. Die Felsenstadt hält das, was sie verspricht. Die Fassaden des Schatzhauses (erstes Foto), der Königsgräber und des Klosters (arabisch „Ed Deir“) verdienen mit Recht das Attribut „Weltkulturerbe“. Grundsätzlich geht es in Petra darum, die in Sandstein gehauenen Fassaden zu bestaunen, die Gebäude selbst dürfen nicht betreten werden. Das macht aber auch nichts, denn mit den bislang 1000 ausgegrabenen Gebäuderesten hat jeder mehr als genug zu tun. Entstanden ist die Felsenstadt als Hauptstadt der Nabatäer, einem Volk, das etwa ab 700 v. Chr. von der Arabischen Halbinsel ins heutige Jordanien und nach Israel einwanderte. Petra lag zudem an der Weihrauchstraße und war damit zentrale Handelsmetropole für Weihrauch, Gewürze wie Zimt und Safran, aber auch Elfenbein.

Jordanien Petra Das Erklimmen des Klosters Ed Deir erfordert eine gute Kondition. 800 Treppenstufen führen hinauf.Die Fassade Ed Deirs

Um wirklich alles zu sehen, benötigt ein interessierter Besucher sicher zwei Tage. Wer nur einen Tag Zeit hat, sollte sich vorab überlegen, was er sehen möchte. Lohnenswert ist in jedem Fall der Aufstieg zum sogenannten Kloster, wobei der Begriff Kloster irreführend ist. Die Nabatäer erbauten das 43 Meter hohe Bauwerk vermutlich als Tempel. Für die 800 Stufen sollten normal fitte Menschen etwa 45 Minuten einplanen und reichlich zu trinken einpacken. Wen seine Kondition unterwegs verlässt, kann sich notfalls per Esel transportieren lassen, den Preis dafür unbedingt vorher aushandeln. Besonders schön ist die Fassade des Klosters nachmittags, wenn das Licht weicher wird.

Übrigens sollte sich jeder beeilen, der Petra in voller Pracht erleben will. Den Erosion als auch mögliche Erdbeben bedrohen die Felsenstadt, an vielen Stellen zeigen sich neue Risse.

Einheimische junge Männer sitzen an der Urne, des über 40 Meter hohen Klosters Ed DeirEinheimische Beduinen sitzen unterhalb der Urne auf der Fassade Ed Deir. Nur die Urne ist schon neun Meter hoch

Allgemeine Informationen: Jordanisches Fremdenverkehrsamt Tel. 089 6890 638-25

Währung: 1 Jordanischer Dinar = 1,04 Euro

Jordanien Petra Das Schatzhaus ist auch bei Einheimischen eine beliebte SehenswürdigkeitDas Schatzhaus (links) ist auch bei Einheimischen eine beliebte Attraktion

Anreise und Tickets: Flug mit Royal Jordanian ab Frankfurt für 547 Euro nach Amman, ab Berlin Tegel nach Amman ab 558 Euro. Ab Amman etwa drei bis vier Stunden mit Auto oder Bus. Der Eintritt für Petra kostet 50 JD (ca. 51 Euro für einen Tag), wer länger bleibt, sollte für 55 JD das Zwei-Tages-Ticket lösen.

Beste Reisezeit: April, Mai, Oktober, November

Übernachten: Im Fünf-Sterne-Mövenpick Hotel Petra, direkt am Eingang der Felsenstadt gelegen oder

Literaturtipp: Frisch erschienen ist die 9. Auflage „Jordanien“ von Baedeker mit detaillierten Infos zu Petra, ausführlicher Kamelkunde und viel historischem Hintergrundwissen 22,99 Euro

Tipp: Stabile Turnschuhe, besser Wanderschuhe, Hut und Sonnencreme, genügend zu trinken. Es gibt Einkehrmöglichkeiten (eine Dosencola für 2JD, ein frisch gepresster O-Saft 0,3l für 3JD), auch auf Ed Deir oben, aber diese sind naturgemäß teuer.

Eine Jemen-Reportage findet sich hier, eine Oman-Reportage hier und hier.

Die Reise wurde unterstützt (Pressereise) vom Jordanischen Fremdenverkehrsamt, der Airline Royal Jordanian und Mövenpick Hotels

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