Hotels mit Seele (1): Der Weihrerhof in Südtirol ← 1. April 2014

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Weihrer Hof Brücke am SeeAnkommen im Weihrerhof funktioniert etwa so: Nach einer 20-minütigen kurvenreichen Aufwärtsfahrt von Bozen nach Oberbozen landet man mit dem Magen in den Kniekehlen im Ortsteil Wolfsgruben. Auf Italienisch klingt das mit „Costalovara“ weniger furchterregend. Das Navigationsgerät mahnt zur Umkehr und vermittelt, man habe sich hoffnungslos verfahren. Dann, ein Stückchen weiter, biegt man von der Seestraße links ab und tastet sich auf den letzen 300 Metern vorsichtig auf einer schmalen Straße heran, vorbei an anderen Anwesen. Am Ende des Weges sieht man schon Friedl Pichler, Gründer und Seniorseele des Weihrerhofs. Endlich angekommen. Der 70-jährige macht sich gerade im für Südtiroler typischen blauen Schurz an der Hecke neben dem Eingang zu schaffen und lächelt den Neuankömmlingen freundlich zu. Auch in den kommenden Tagen wird man den schlanken Senior morgens und abends bei der Gartenarbeit sehen. Kaum eingeparkt, kommt Hotelchef Klaus Pichler, 35, in Jeans und Hemd und begrüßt die Gäste noch draußen vor der Tür locker per Handschlag. Dressiertes Hotelgehabe sucht man hier vergebens.

Urlaub für’s Ich, so wirbt der Weihrerhof. Nettes Werbesprüchlein, mag mancher denken, schließlich lässt sich mit Wellness-Vokabular gut punkten. Familie Pichler, die das Haus von einer Gaststube mit ursprünglich vier Zimmern zu einem Vier-Sterne-Haus mit 23 Zimmern und Suiten ausgebaut hat, stapelt aber nicht zu hoch. Nicht nur, dass der Puls nach einer stressigen kurvenreichen Anfahrt beim Betreten des 100.000 Quadratmetern großen Hotelgeländes mit Apfelbäumen und Blick auf den zu den Dolomiten gehörigen Schlern sofort um einige Schläge sinkt. Zum Anwesen gehört tatsächlich auch noch eine Insel – oder besser – ein Inselchen. Inmitten des Wolfsgrubener Sees liegt das etwa wohnzimmergroße Kleinod, eine Brücke führt direkt von der hoteleigenen Wiese hin. Wer mag, darf natürlich die fünf Meter auch hinschwimmen, alternativ liegen ein Ruder- und ein Tretboot parat. Romantikfans können sich auf der Insel ihr Candlelight Dinner servieren lassen.

Weihrerhof ganzStichwort Küche: Butter, Eier, Wabenhonig sowie der Akazienhonig mit Haselnüssen fürs Frühstück stammen von umliegenden Höfen. Der Lachs ist hausgebeizt, die Kuchen sind selbstgemacht und auch bei den Kräutertees setzt Familie Pichler auf eigene Kreationen. Beim Abendessen können die Gäste bei jedem Gang zwischen drei Varianten wählen. Einmal pro Woche findet im Sommer ein Grillabend samt zünftiger Südtiroler Livemusik statt, Klaus Pichler, früher Eishockeyspieler beim ASV Ritten Sport, schwingt dann höchstpersönlich die Grillzange um den Gästen Lamm, Rind, Hühnchen oder Lachs, Garnelen, Wolfsbarsch sowie Tintenfisch zu servieren. Und dann wäre da noch das Dessertbuffet: Krapfen mit Kloaznfülle (= getrocknete Birnen, eine Rittner Spezialität), Buchteln (= Ofennudeln) mit Vanillesauce und Marillenknödel warten neben zig anderen Delikatessen darauf, verspeist zu werden. Oder anders formuliert: Wer abnehmen will, sollte den Weihrerhof meiden.

Wer sündigen und nicht zunehmen will, kann seine Kalorien problemlos abstrampeln, beispielsweise auf einer Mountainbiketour direkt vom Weihrerhof, der auf 1200 Metern liegt, auf das Rittner Horn (2270 Meter ü. NN). Für Wanderfans starten diverse Touren direkt beim Hotel. Nur wenige Minuten vom Hotel entfernt liegt der sehenswerte Plattnerhof mit dem Bienenmuseum, dort stammt auch der Akazienhonig her. Besonders kurios anzuschauen sind die durch Erosion entstandenen Erdpyramiden im nur wenige Kilometer entfernten Klobenstein.

Es lohnt in jedem Fall ein Ausflug mit der Seilbahn von Oberbozen nach Bozen, wo sich italienische und österreichische Kultur treffen – nicht immer spannungsfrei. Die Einwohner der ehemals österreichischen Stadt Bozen sind mittlerweile zu dreiviertel italienisch- und nur zu einem viertel deutschsprachig, auch dank einer speziellen Ansiedlungspolitik des früheren faschistischen Diktators Benito Mussolini. Das alles erfährt man auf einer der täglich stattfindenden Stadtführungen, die beim Fremdenverkehrsbüro in Bozen starten. Zum Pflichtprogramm gehört natürlich ein Besuch des Ötzi-Museums: In einem eigenen Raum wird der mit etwa 45 Jahren verstorbene, 1,60 Meter große und 50 Kilo schwere Mann für die Ewigkeit bewahrt – bei 98 Prozent Luftfeuchtigkeit und minus sechs Grad Celsius. Dieses Klima wünscht sich jeder, der Bozen im Sommer besucht. Schwülheiße Temperaturen von 35 Grad und mehr sind aufgrund der Kessellage normal. Wie gut, dass es den Ritten gibt: Schnell in die Seilbahn, zurück auf die 1200 Meter, man steigt aus, es weht ein angenehmes Lüftchen bei 25 Grad – das Entschleunigen kann weiter gehen.

Info: Hotel Weihrerhof, Wolfsgruben 22, I-39054 Ritten (Renon), Telefon +39 0471 345 –102*. Fax –354, weitere Infos auf den jeweiligen Websites Region Ritten, Ötzi-Museum und Bozen

*Die Null für die Ortsvorwahl muss nach Italien mitgewählt werden

Übernachten: Ü/HP pro Person in der besten Zimmerkategorie Wallner ab 137 Euro pro Person, alle Zimmer mit Balkon. Der Preis enthält unter anderem Sauna, Hallenbad, Schwimmen im See, Mountainbikeverleih. Im Zimmerpreis inklusive ist auch die Rittencard, mit der man kostenlos den öffentlichen Nahverkehr inklusive Seilbahnen nutzen kann sowie kostenlos in fast alle Südtiroler Museen wie ins Ötzi-Museum (derzeit noch 9 Euro Eintritt) kommt.

Essen + Trinken: Empfehlenswert ist im Weihrerhof die Halbpension. Gäste mit Zöliakie oder Lactoseintoleranz bekommen im Weihrerhof entsprechende Kost, auch andere Diäten sind möglich, bitte bei der Buchung angeben. Wer doch auswärts essen möchte, kann sich bis Mittag abmelden und bekommt pro Person und Tag 12 Euro gutgeschrieben. Im Herbst empfehlen sich die zahlreichen Buschenschänken (= Straußwirtschaften) zum „Törggelen“ (= Essen und Trinken in guter Gesellschaft). Ebenfalls schön ist der Gasthof Zum Signaterhof


			    
			    			    
			    			
			

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