Im Geheimdienst ihrer Majestät: Zu Besuch in der „Bond World“ auf dem Schilthorn ← 28. März 2014

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Auf dem Schilthorn in der Schweiz kämpfte einst George Lazenby als James Bond gegen Blofeld. Heute können Besucher dort auf Agentenspuren wandeln und die fantastische Aussicht auf das Berner Oberland genießen.

Eiger Mönch und Jungfrau einträchtig nebeneinander

Das Schilthorn bietet eine fantastische Aussicht auf Eiger, Mönch und Jungfrau |  ©Geraldine Friedrich

Kaum fährt die Seilbahn los, ertönt die James-Bond-Titelmelodie: Genau die Stelle, in der Bond den Revolver zückt und auf den Zuschauer zielt. Statt Schuss ist jedoch Druckausgleich angesagt, denn innerhalb von 32 Minuten geht es ab der Talstation Stechelberg per Gondel 2.000 Meter hinauf auf das Schilthorn. Der Berg im Berner Oberland war im Winter 1968/69 Drehort für „Im Geheimdienst ihrer Majestät“. In den Hauptrollen: Der Australier George Lazenby als 007 und die Britin Diana Rigg als Comtesse Teresa di Vincenzo.

Auf 2.970 Metern angekommen, trifft man an einem trüben Montagmorgen nur wenige Besucher. Einige Frühaufsteher nutzen das Angebot des „James-Bond-007-Frühstücksbuffet“ im Drehrestaurant Piz Gloria: Wer bis 8 Uhr 55 sein Ticket in Stechelberg löst, hat für einen Aufpreis von 32 Cent auf den regulären Ticketpreis das Buffet im Wert von 24 Euro inklusive und kann kauend das komplette Bergpanorama bewundern, denn das von Sonnenenergie angetriebene Restaurant dreht sich in 55 Minuten um die eigene Achse. Einige indische Touristen mühen sich mit unpassendem Schuhwerk die 80 Meter auf dem verschneiten Grat vom Hauptgebäude zum „Piz Gloria View“ ab, einer etwas außerhalb gelegenen separaten kleinen Aussichtsplattform, von der Besucher an einem Punkt stehend mehr als 200 Berggipfel des Berner Oberlands betrachten können. Was vielen Erstbesuchern nicht bewusst ist: Von der ebenfalls im Berner Oberland gelegenen Jungfrau hat man zwar einen schönen Blick auf den Aletschgletscher, aber nur vom Schilthorn haben Besucher den perfekten Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau zusammen.

Schilthorn top, St. Moritz flop

1968 recherchiert der Produktionsleiter der James-Bond-Filme, Hubert Fröhlich, im Auftrag der Produzenten Harry Saltzmann und Albert Broccoli mögliche Drehorte in der Schweiz. Für die Außenszenen hat Fröhlich bereits einen Favoriten: St. Moritz. Doch als er auf dem Schilthorn ankommt, ändert er seine Meinung. Der 360-Grad-Panoramablick auf das Berner Oberland, inklusive fantastischem Blick auf Eiger, Jungfrau und Mönch, überzeugen ihn sofort. Für die Region ist das auch ein finanzieller Glücksfall: Damals ist der Bau des weltweit ersten Gipfel-Drehrestaurants Piz Gloria ins Stocken geraten, weil das Geld ausgegangen ist – die Bond-Produktionsfirma übernimmt von nun an die Kosten.

Während der Dreharbeiten zu "Im Geheimdienst ihrer Majestät"
Während der Dreharbeiten zu „Im Geheimdienst ihrer Majestät“  |  © Schilthornbahn AG – Piz Gloria

Genickbruch stört Mittagessen

Das Piz Gloria dreht sich noch heute – und das Schilthorn lebt mit und von seiner glamourösen Vergangenheit. In der im Juni 2013 eröffneten „Bond World 007“ erfahren Besucher, was sich während der Dreharbeiten vor und hinter der Kamera abspielte. Interviews mit Zeitzeugen lassen sich beispielsweise per Touchscreen abrufen. Einer von der Interviewten ist der Skirennfahrer und Stuntman Bernhard Russi, der zur Zeit des Drehs 20 Jahre alt war. Er brach sich bei den Dreharbeiten den siebten Halswirbel. Nach dem Sturz war er ohnmächtig, ging später jedoch alleine zum Dorfarzt in Mürren. „Ich habe geklingelt und gesagt, ich habe das Genick gebrochen. Die Antwort war, ich solle später wiederkommen, der Arzt sei gerade beim Mittagessen.“ Auch auf erneutes Klingeln öffnete niemand, bis Russi dann mit letzter Kraft die Tür eintrat. „Der Arzt hat mir dann sofort eine Halskrause angelegt und mich anschließend ins Spital bringen lassen“, erinnert sich der mittlerweile 65-Jährige. Wahnsinniges Glück habe er gehabt, drei Monate lag er im Krankenhaus, ohne sich rühren zu dürfen. Unglaublich: ein knappes Jahr nach seinem Unfall gewann er sein erstes Weltcuprennen.

Alt-Nationalrat fand sich schön genug

Auch der ehemalige Nationalrat der Sozialdemokraten, Peter Vollmer, war dabei und berichtet im Ausstellungsvideo über seine Erfahrungen als Statist. Gesucht wurden „200 junge, gut aussehende“ Leute. Vollmer, der immer noch passabel aussieht, fühlte sich angesprochen. In der Kinoversion ist er tatsächlich für zwei Sekunden im Bild auf der Piz-Gloria Terrasse hinter James Bond zu sehen. In einem anderen Video berichtet ein damaliger Hotelrezeptionist über das kapriziöse Verhalten der Stars. So wurde Diana Rigg, als sie erstmals das Hotel Palace in Mürren betrat, vom Hoteldirektor als „Mrs. Peel“ begrüßt, Rigg war damals international bekannt als karatekämpfende Emma Peel in der Serie Mit Schirm, Charme und Melone, im Original The Avengers. Darauf habe sie nur geantwortet „Ich bin nicht Frau Peel, ich bin Frau Rigg“ und habe das Hotel wieder verlassen.

Andrea Schäfer, deren Eltern damals das Hotel Edelweiss in Mürren betrieben, berichtet von den tagtäglichen Begegnungen mit den Bond-Girls, die im Edelweiss wohnten: „Wir Kinder haben uns immer darum gestritten, wer welches Bond-Girl spielen darf. Ich habe mich dann auf die Che Che, gespielt von Mona Chong, spezialisiert.“ Ein spezielles Verhältnis habe sie zu der deutschen Schauspielerin Ilse Steppat gehabt, die in dem Film die böse Irma Bunt spielt. Mit ihr, so erinnert sich die damals Siebenjährige, habe sie oft ihre Hausaufgaben gemacht.

Die Autorin küsst James Bond – dank einer digitalen Fotoschablone
Die Autorin küsst James Bond – dank einer digitalen Fotoschablone  |  © Geraldine Friedrich

Heute können Besucher sich in der Bond World mit digitalen Fotoschablonen als Blofeld, Bond oder gar Bond-küssende Comtesse fotografieren lassen und die Bilder zu Hause herunterladen. Ein Hubschrauber, der noch bis Juni dieses Jahres in Betrieb war, lädt zum virtuellen Flug über die spektakuläre Winterlandschaft rund ums Schilthorn ein: Vor allem Kinder setzen sich gerne in den Hubschrauber und steuern diesen mit ihren Eltern durch die Berglandschaft. Die vom Besucher geflogene Strecke wird vor dem Hubschrauber auf eine Wand projiziert. Die halsbrecherische Bobfahrt auf der Eisbahn in Mürren können Museumsbesucher nacherleben, indem sie sich im Museum in einen Bob setzen. Die Fahrt wird in einem in den Bob eingebauten Bildschirm visualisiert – nur der Fahrtwind fehlt. Ein kleines Kino zeigt abwechselnd Filmausschnitte und Bergpanoramen rund um das Schilthorn.

Den Bond-Burger gibt es heute im Drehrestaurant
Den Bond-Burger gibt es heute im Drehrestaurant  |  © Geraldine Friedrich

Zu der Eröffnungsfeier im Sommer 2013 erschien viel Prominenz, die Hauptdarstellerin Rigg fehlte jedoch. Ob George Lazenby auch komme, wollte sie im Vorfeld wissen. Ja, der habe bereits zugesagt. Dann habe sie kein weiteres Interesse an der Eröffnungsfeier, ließ Rigg wissen, denn sie habe sich damals gar nicht mit dem Hauptdarsteller verstanden – vor den Kussszenen habe Lazenby sogar Knoblauch gegessen.

Allgemeine Informationen unter www.myswitzerland.ch, www.schilthorn.ch, www.mymuerren.ch

Tipp: Für die „Bond World 007“ sollten sich Bond-Interessierte anderthalb Stunden Zeit nehmen. Für den Panoramablick auf dem Schilthorn und einen eventuellen kleinen Spaziergang zur 80 Meter entfernten Plattform benötigt man locker noch eine weitere Stunde, sodass drei Stunden schnell vorbeigehen.

Anreise: Wer mit der Bahn anreist und einen Swiss Pass hat, fährt mit der Seilbahn ab Stechelberg für 38,50 CHF (= ca. 31 Euro) auf das Schilthorn hin und zurück, regulär kostet die Fahrt 98,60 CH (= ca. 80 Euro). Die Bond-World kostet keinen Eintritt. Ab Berlin-Tegel, Hamburg, Köln und München fliegt Skywork nach Bern-Belp, von dort weiter per Bahn und Bus nach Interlaken, Mürren oder Stechelberg.

Übernachten: entweder im autofreien Mürren, wie die Bond-Girls im Hotel Edelweiss, DZ/F mit Blick auf Eiger ab etwa 155 Euro. Ein Package bietet das Hotel Alpenruh in Mürren an, Ü/HP inkl. James-Bond-Frühstück im Piz Gloria und Gondelfahrt ab 210 CHF (= ca. 175 Euro) pro Person.

Neben Mürren bietet sich auch Interlaken als Ausgangsort an. Die Zug- und Busfahrt von Interlaken bis zur Talstation nach Stechelberg dauert 42 Minuten. Gut und für schweizerische Verhältnisse günstig ist in Interlaken die erst 2013 eröffnete Jugendherberge: zwei Erwachsene plus ein Kind zahlen etwa 130 CHF (= etwa 108 Euro) für Übernachtung und Frühstück. Wer es lieber edel mag, kann dort auch im Fünf-Sterne-Haus Lindner Hotel Beau Rivage nächtigen, DZ/F ab etwa 300 CHF (= 250 Euro).

JH Interlaken Zimmer mit Aussicht 1Welches Luxushotel ist das? Es ist die Lobby der Jugendherberge Interlaken  |  © JH Schweiz

 

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