Cornwall: Verlorene Gärten, Eden Project ← 16. März 2014

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Cornwall: Die Biome des Eden Projects beherbergen tropische Pflanzen wie Kakao, Papaya und Ananas in einem künstlich angelegten Regenwald. Wie man sieht: Regnen tut es in Cornwall gelegentlich auch, aber so richtig tropisch ist es – trotz Palmen unter freiem Himmel – nicht.

Wer in Cornwall plötzlich am Horizont riesige, bienenwabenartige Gebilde erblickt, der begegnet nicht etwa Außerirdischen, sondern steht nicht weit vom Eden Project, einem seit 2001 existierenden exotischen Garten. Die Gewächshäuser beherbergen Biome, also Pflanzen, Tier und Pilze einer bestimmten Klimazone. Biom eins führt uns in den Regenwald, konkret: Kakaobäume mit reifen Früchten, fast erntereifen Papayas und auch einer „Swiss Cheese Plant“ (= Schweizer Käsepflanze), die aber nicht wegen ihres Geruchs, sondern wegen ihrer Blätter (Löcher!) so heißt. Biom zwei zeigt die mediterrane Vegetation, darunter auch die trockene Vegetation der südafrikanischen Karoowüste: Sukkulenten, jede Menge Kräuter, Zitronenbäume, aber auch Tulpen. Unser Guide Monroe Sheppard rät uns dringend die Hauptsaison, also die englischen Schulferien, zu meiden. Der Frühling sei eine gute Zeit, auch der Winter, um die Gärten abseits von Menschenmassen anzuschauen.

Eden Project: So sieht das Innere einer Kakaofrucht aus

Wenn es denn die Sommerferien sein müssen: Lieber am Nachmittag kommen, denn morgens stehen sich die Besucher an der Kasse die Beine in den Bauch. Jährlich besuchen 1,1 Mio Menschen das Eden Project, wenn es aber nach den Machern geht, sollen es jährlich 1,9 Mio Besucher sein. Also: Nichts wie hin, bevor die Schlangen noch länger werden.

Wichtig: Beim Eintritt sagen, dass man die 23 Pfund als Spende deklarieren will, denn dann bekommt man eine Art Jahrespass, der einen zu unzähligen Eintritten innerhalb eines Jahres berechtigt. Sehr gut für Familien, deren Kinder nach einer Stunde schon die Segel streichen und die am nächsten Tag wiederkommen wollen.

Eden Project: Spektakulär ist die 50 Meter hohe Aussichtsplattform, die ausschließlich an Drahtseilen hängt und nichts für Menschen mit schwachen Nerven ist

Sehr beeindruckend: Die 50 Meter hohe Aussichtsplattform im Regenwaldbiom, natürlich nur für Schwindelfreie, Menschen ohne Bluthochdruck und – auch ganz wichtig – Leute, die ohne fremde Hilfe die gefühlten 200 Treppenstufen bei 25 Grad Celsius plus und mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit hinauf kommen. Nicht so schön: Ich selbst komme problemlos die Stufen empor, doch meine Kamera verreckt leider nach 30 Minuten Regenwald, zu viel Feuchtigkeit, bis heute hat sie sich noch nicht von dem Ausflug erholt. Eden Project will übrigens kein botanischer Garten sein. „Uns geht es um Bildung und darum, die Zusammenhänge zwischen Menschen und Pflanzen auf unterhaltsame Art rüberzubringen. Bei uns darf man die Pflanzen anfassen“, erklärt Sheppard.

Lost Gardens of Heligan: Die Stämme von 150 Jahre alten Rhododendren

Auch die Lost Gardens of Heligan sind kein botanischer Garten, auch er liegt in der Nähe von St Austell, nur wenige Kilometer von der Südküste entfernt und Ananas gibt es dort auch – das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn bei denn verlorenen Gärten handelt es sich um eine riesige Freifläche, deren Bestandteile teils über 200 Jahre alt sind. Gerade die jüngere Geschichte verlief dramatisch: Von den 22 Gärtnern, die in den Ersten Weltkrieg zogen, kehrten nur acht zurück. Darüber soll der Eigentümer Jack Tremaine so unglücklich gewesen sein, dass er 1923 aus dem Anwesen auszog.“Er hatte das Gefühl, dass die Geister der Verstorbenen immer präsent waren. Das hat er nicht ertragen“, erklärt uns unser Guide Peter. Noch heute beträgt die Zahl der Gärtner in den Lost Gardens 25, ist also fast gleich geblieben.

Der Garten gehört nach wie vor der Familie Tremaine. Heligan ( = Weidenbaum) ist ein privater Garten, den die Eigentümer öffentlich gemacht haben. „Gerade viele Deutsche sind oft enttäuscht, wenn sie keine Schilder bei den Pflanzen finden“, erklärt uns unser Guide Peter, der im vormaligen Leben Banker bei Barclays in Nordengland war und nun zur Rente in den schönen Süden Englands gezogen ist. Auch lassen die Gärtner das Laub an bestimmten Stellen liegen, damit dort das Wildleben nicht gestört wird.

Heligan hält genau das, was der Name verspricht: Eine Art Mischung aus gepflegter englischer Gartenkultur und wildem Märchenwald. Dazu tragen vor allem auch riesige Rhododendren bei, die teils 150 Jahre alt und älter sind. Die ineinander verschwurbelten Stämme und Äste haben etwas Mystisches. Andererseits finden sich hier auch viele Nutzpflanzen. Neben alten kornischen Apfelsorten mit schönen Namen wie „American Mother“, „Lord Derby“ und „Ellison Orange“und 13 verschiedenen Pfefferminzsorten, züchten Gärtner dort auch in niedrigen Gewächshäusern Ananas.

Lost Gardens of Heligan: Ein Garten, der Anfang der 90er total verwildert wieder entdeckt wurden, die Entdecker riefen „Oh, we’ve found a lost garden“ – so entstand der Legende nach der Name

Damit die tropische Pflanze die dafür notwendige Wärme im kühlen England bekommt, sammeln Gärtner Pferdemist und Stroh in einem Holzverschlag, der direkt an die Ananas-Gewächshäuser grenzt. Irgendwann beginnt diese Mischung zu gären, die Wärme, die sich dabei bildet, entweicht durch Löcher in das Ananas-Gewächshaus. Fazit: Die Luft muss nicht gut riechen, sondern nur warm sein. 225000 Menschen finden ihren Weg jedes Jahr hierher und mit 6,50 Pfund Eintritt ist der Garten doch noch erschwinglich.

 

 

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