Miami: Street Art und Everglades ← 5. Februar 2014

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Miami bietet nicht nur Glitzer und Glamour: Die Stadt ist ein Potpourri aus vielen Kulturen, ein Konglomerat verschiedener Gesellschaftsschichten und ein Ort der vielen Gesichter.

Wynwood Walls

Wynwood Walls

Während sich in South Beach Touristen und Einheimische ins Nachtleben stürzen, die Freunde lateinamerikanischer Küche im kubanisch geprägten Stadtteil Little Havanna nach Gaumenfreunden suchen und Wassersportler sich auf der Insel Key Biscayne beim Surfen, Kajakfahren oder Stehpaddeln vergnügen, trifft sich die Künstlerszene Südfloridas in Wynwood. Das dynamische Viertel nördlich von Downtown Miami beherbergt zahlreiche Galerien und Boutiquen. In ihnen kann man die kontemporären Werke junger Kunstschaffender aus der ganzen Welt entdecken. Das Herzstück Wynwoods sind jedoch die Wynwood Walls im sogenannten „Arts District“ des Viertels – ein Freilichtmuseum für Graffiti und Straßenkunst, das der Immobilienhändler Tony Goldman und der Kurator Jeffrey Deitch 2009 ins Leben riefen.

Torbogen zur Kunst: Hier geht's zu den "Wynwood Walls"

Torbogen zur Kunst: Hier geht’s zu den „Wynwood Walls“

Tony Goldman

Tony Goldman gründete das Graffiti-Freilichtmuseum im Norden Miamis

Schon auf dem Weg zu dem öffentlichen Kunstpark glaubt man, sich in einer überdimensionalen Pinakothek zu befinden: Viele Häuser in Wynwood sind bunt bemalt, oftmals dienten ganze Straßenzüge den Graffitikünstlern als Leinwand. Stundenlang kann man durch den Stadtteil schlendern und meterhohe Wandmalereien sowie das Innenleben der Galerien bewundern, nur um schließlich unter einem kupfernen Bogen mit dem Schriftzug „Wynwood Walls“ hindurch zu treten. Namhafte Streetart-Künstler wie die japanische Aiko, der New Yorker Futura oder die deutschen Zwillinge Raoul und Davide Perre sprayten hier an vormals weiß getünchte Wände – jeder in seinem ganz eigenen Stil. So prangen auf dem Areal abstrakte Muster und Gebilde neben kunstvoll gearbeiteten Comicszenen oder realitätsnahen Porträts und Mauern voll farbenreicher Zeichnungen grenzen an schwarz-weiße Wände.

Wynwood Kitchen and Bar

Nach dem Rundgang gemütlich einen Kaffee trinken: Wynwood Kitchen & Bar

Von einer völlig anderen Seite zeigt sich Miami etwa 70 Kilometer von Downtown entfernt im Landesinneren: Dort erstrecken sich die sumpfigen Everglades. Mit rund 6110 Quadratkilometern geschützter Fläche sind sie der drittgrößte Nationalpark in den USA. Schon während der 1920er-Jahre setzte sich eine Gruppe Frauen dafür ein, die artenreiche Landschaft zum Nationalpark zu erklären – diesen Titel bekam das tropische Marschland aber erst 1947 zugesprochen. Seit 1979 ist es dazu auch Unesco-Weltnaturerbe. Erkunden kann man die Sümpfe und Prärien, Kanäle und Mangrovenwälder der Everglades auf geführten Kajak-Touren,mit dem Fahrrad, per Boot oder ganz profan zu Fuß. Einer der befestigten Wege im Nationalparkgebiet ist der Anhinga Trail. Der etwa 1,2 Kilometer lange Rundgang nimmt seinen Anfang am Royal Palm Visitor Center. Mit seinen gepflasterten Wegen und den ebenen Holzbrücken können ihn auch Rollstuhlfahrer problemlos bewältigen.

Brücke

Auf Holzstegen kann man den Nationalpark bequem erkunden

Natur

Die Everglades sind Teil des Unesco-Weltkulturerbes

Oft hat man schon nach wenigen Metern das Glück, einen Alligator im flachen Sumpfland zu entdecken. Die großen, schwärzlichen Tiere treiben tagsüber meist faul an der Wasseroberfläche und machen sich so zur leichten Beute für Amateur- und Profi-Fotografen. Aber auch Wasserschildkröten, Fische und große Vögel wie Kormorane oder Reiher bekommt man hier häufig dicht vor die Linse. Der Sumpf bietet vielen Tierarten ein wertvolles Rückzugsgebiet: Die Liste reicht von Flussottern und Blesshühnern bis hin zu Seekühen und Schwarzbären im Hinterland der Everglades.

Krokodil am Anhinga Trail

Krokodil am Anhinga Trail

Am Anhinga Trail staut sich in der prallen Mittagssonne die Hitze über dem moosgrünen Wasser. Dickbauschige Wolken spiegeln sich auf seiner Oberfläche, die stellenweise von einer Myriade Seerosenblätter bedeckt ist. Im dichten Schilfgras hört man Frösche quaken, Zikaden zirpen monoton ihr endlos gleiches Lied. Libellen schwirren über den Kanälen und ab und zu fliegt ein Schlangenhalsvogel – der Anhinga – von einem Baum zum nächsten. Die grüne Wasserlandschaft reicht bis zum Horizont und schon bald gewöhnt man sich an den Anblick der lederhäutigen Alligatoren, die mal hier, mal dort im Wasser dümpeln. Es ist eine andere Welt, die sich dem Besucher in den Everglades eröffnet – eine Welt fernab der Stadt, in der Zeit keine Rolle spielt, sondern nur als stetig wiederkehrender Zyklus die Abfolge von Regen- und Trockenzeit bestimmt.

Mangroven

Mangroven zählen zu den produktivsten Ökosystemen der Erde – kein Wunder, dass es in den Everglades vor Tieren nur so wimmelt

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