Miami: Mit dem Fahrrad durch South Beach ← 15. Januar 2014

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Mit dem Fahrrad durch South Beach

Auf dem berühmten Ocean Drive

Fahrradfahren in Miami – geht das denn? Aber klar!  Mit dem Fahrrad lässt sich das Szeneviertel South Beach besonders gut erkunden.

Wie ein Gitter durchziehen die Fahrwege die Stadt: Fein säuberlich übereinander gelegte Querstraßen, in denen das Leben pulsiert. Überall sind Menschen – trotz der Hitze, trotz der Schwüle, trotz der hohen Luftfeuchtigkeit. Auf den Gehwegen schieben sich die Fußgänger oft dicht aneinander vorbei, auf der Hauptstraße kommen die Autos nur langsam voran. Doch keiner verzieht eine Miene. Ganz im Gegenteil! Wahrscheinlich ist es dem strahlend blauen Himmel zu verdanken, dass gute Laune sich der Stadt bemächtigt hat. Sie artikuliert sich im Lachen und den gestenreichen Unterhaltungen der Passanten genauso wie in der laut aufgedrehten Musik einiger tiefergelegter Wagen, die mit schepperndem Bass gemächlich vorwärts rollen.

Der Strand von South Beach

Der Strand von South Beach

In South Beach spielt sich das Leben draußen ab, so viel steht fest. Miamis In-Viertel gelangte in den 1980er-Jahren zu Ruhm und Ehre, als die populäre Fernsehserie „Miami Vice“ es zum Aushängeschild der Metropole an der Südspitze Floridas machte. Vor ihrer Ausstrahlung war die Gegend als Umschlagplatz für Kokain aus Lateinamerika bekannt, sie hatte mit einer erhöhten Kriminalitätsrate zu kämpfen und viele Häuser standen leer. Inzwischen ist „SoBe“ – wie seine Bewohner den Stadtteil liebevoll nennen – ein Touristenmagnet. Lange, weiße Sandstrände und ein Art déco-Distrikt mit rund 800 gut erhaltenen Gebäuden aus den 1930er- und 1940er-Jahren locken jährlich mehr als sieben Millionen Besucher aus aller Welt heran.

DecoBikes an der Station

DecoBikes an der Station

Mit dem Fahrrad lässt sich das Szeneviertel besonders gut erkunden. Seit 2011 stehen an rund 60 Stationen etwa 500 „DecoBikes“ zum Ausleihen bereit. Für ein paar Dollar von der Kreditkarte kann es sofort losgehen. Der Fahrtwind kühlt die schweißfeuchte Haut und wenn man sich zwischen den vielen Autos und dem vollen Gehweg hindurch- schlängelt, kommt man schnell voran. So schnell es eben sein muss, denn auf der Collins Avenue verleiten rosa-, lila-, pfirsich- und türkisfarbene Art déco-Gebäude immer wieder zu kurzen Fotopausen. Ihre klangvollen Namen verheißen Fernweh – „Tropics“, „Geneva“ und „Parisian Hotel“ – prangen als große Buchstaben an der Front. Und auch die schrill-bunt bekleideten Bewohner South Beachs sind häufig ein Blickfang. Ganz nach dem Motto „weniger ist mehr“ zeigen sich die Herren in kurzen Hosen und Muskelshirt, während Röckchen und Bikinioberteil für Damen die normale Straßenkleidung sind.
Sehen und gesehen werden.

Von der geschäftigen Collins Avenue ist es nur noch ein Katzensprung bis zum berühmten Ocean Drive. Die schnurgerade Straße verläuft parallel zum Atlantischen Ozean. Hier reihen sich die pastellfarbenen Hotels im Art déco-Stil aneinander, hier recken sich schlanke Palmen gen Himmel. Schwarze, Weiße und Latinos sitzen schwatzend in Cafés mit Blick zur Straße oder spazieren durch den Lummus Park, einen schmalen, palmenbestandenen Grünstreifen, der sich dicht an den Atlantik schmiegt.

Die Bewohner von South Beach sind leicht bekleidet

Die Bewohner von „SoBe“ sind oft leicht bekleidet

Vor der stadtbekannten „Palace Bar“ scharen sich am frühen Abend die Menschen. Die Musik ist laut, jemand singt Karaoke: Donna Summers „On The Radio“ schallt durch die Luft. Plötzlich öffnet sich eine Gasse zwischen den Zuschauern und die Sängerin – eine schokoladenbraune Dragqueen im hautengen, silbern glitzernden Bodysuit – überquert auf zentimeterhohen Riemchensandalen die Straße. Neckisch wirft sie das hochtoupierte Haar zurück. Nach einem lasziven Blick in die Runde steigt sie auf die hintere Stoßstange eines parkenden Autos, nur um nach ein paar Takten der Musik mit wogenden Hüften zurück zur Bar zu wallen und dort ihr Lied zu beenden – die Menge tobt. Auch das ist Miami: immer für eine Überraschung zu haben.

Fünfeinhalb Millionen Menschen leben in der gesamten Metropolregion, davon rund 40.000 in South Beach. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung sprechen Spanisch, denn nach der kubanischen Revolution 1959 emigrierten viele der Inselbewohner nach Florida. Sie machen etwa 34 Prozent der Bevölkerung aus. So verwundert es nicht, dass man bei einem abendlichen Spaziergang über die Lincoln Road, eine Fußgängerzone voll angesagter Restaurants, Läden und Kunstgalerien, immer wieder spanische Wortfetzen hört.

James Royal Palm

Das James Royal Palm

Zur fortgeschrittenen Stunde verwandelt sich die Promenade in eine quirlige Ausgehmeile. Unter weit ausladenden Sonnenschirmen rücken Tische und Menschen eng aneinander. Trotz der großen Auswahl an Bars und Restaurants ist es oft schwer, einen Sitzplatz zu ergattern: Nach Einbruch der Dunkelheit drängt ganz „SoBe“ in die belebte Straße. Shisha rauchend und Mojitos schlürfend beäugt man die nächtlichen Spaziergänger, die Filmstars gleich in gewagten Outfits über den Boulevard flanieren. Wer es etwas eleganter mag, sollte die Bar eines der zahlreichen Art déco-Hotels besuchen. Häuser wie das „James Royal Palm“ oder das renommierte „Raleigh Hotel“ faszinieren nicht nur mit denkmalgeschützten Fassaden, sondern auch mit einem stilgetreuen Interieur. Dort kann man den Tag ganz in Ruhe auf sich einwirken und den Abend mit einem Glas Chardonnay in der Hand ausklingen lassen.

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