Musandam in Oman: Beten auf dem Boot ← 30. Januar 2014

Autor:

Die Exklave Musandam in Oman lockt mit Delphinen und Fjorden, doch mindestens genauso spannend ist die Begegnung fremder Kulturen (English version)

Co-Kapitän Mohammed Elias bereitet sich auf den zweiten Schnorchelstopp vor

Co-Kapitän Mohammed Elias bereitet sich auf den ersten Schnorchelstopp vor

„Ich habe Lilly Delfine versprochen“, sagt Catherine, die seit einem halben Jahr in Dubai für eine Versicherung arbeitet und Besuch aus London hat. Lilly, Catherine plus vier deutsche Damen zwischen 25 und 50 einerseits, Kapitän Khaled, 33, und der 68-jährige Mohammed andererseits: Zwei Stunden tuckern sie bereits auf einer Dhau im Khor Shamm, bislang kein Delphin in Sicht. Dafür Felswände, die 1000 Meter zwischen Meer und Himmel empor ragen. Khor Shamm ist der längste Fjord Musandams. Reiseveranstalter beschreiben Musandam als das Norwegen der arabischen Halbinsel. Landschaftlich erinnert es tatsächlich an die zerklüftete norwegische Küste, mit 16 Kilometern ist das Khor (dt. „Lagune“ o. „Bucht“) sogar einen Kilometer länger als der berühmte Geirangerfjord.

Oman: Eine Dhau ankert im Khor Shamm, dem längsten Fjord Musandams

Oman: Eine Dhau ankert im Khor Shamm, dem längsten Fjord Musandams

Der erste Stopp, der erste Sprung ins Wasser. Die Damen schnorcheln im Bikini, Khaled schwimmt mit langer Badehose sowie T-Shirt. Er bringt von seinen Tauchgängen Jakobsmuscheln mit an Bord, hebelt sie auf, entfernt die rote Eingeweide, beträufelt das etwa zwei Zentimeter messende Fleisch noch in der rötlichen Schale mit Zitronensaft und serviert sie den zunächst misstrauischen Gästen. Köstlich. Noch immer sind keine Delphine in Sicht, stattdessen zelebrieren Mohammed und Khaled ein Mittagessen aus gegrilltem Fisch, Reis und Gemüse. Zwei muslimische Männer bedienen sechs Westeuropäerinnen, die sich nun in Wickelrock und Bikinioberteil auf dem Boot bewegen. Normalerweise befinden sich an Bord bis zu 30 Männer und Frauen, doch 16 Gäste aus Dubai haben sich verspätet. Beide Omani lösen die für sie ungewohnte Situation mit Noblesse, Mohammed kommt wieder und wieder mit Tee und Datteln, verhätschelt die Frauen als wären sie Kinder.

Kapitän Khaled, 33, (rechts) und sein Ko-Kapitän Elias, 67, sind gläubige Muslime und lassen auch während ihrer Arbeit kein Gebet aus

Kapitän Khaled, 33, (rechts) und sein Ko-Kapitän Elias, 68, sind gläubige Muslime und lassen auch während ihrer Arbeit kein Gebet aus

Wenig später rollt er von den anderen zunächst unbemerkt einen Teppich neben dem Steuerknüppel aus, kniet sich mit Rücken zu den Frauen und betet ganz leise sein Mittagsgebet. Etwa zehn Minuten später signalisiert er Khaled, dass er fertig ist. Nun betet der jüngere. „Find ich cool, dass die hier einfach so beten, gibt’s das auch bei anderen Religionen?“, fragt eine junge Deutsche im neonpinkfarbenen Bikini.

Die Dhau passiert Fischerdörfer mit Namen wie Nadifi und Qanah, die Gewässer gelten als fischreich. Plötzlich steht Mohammed auf, pfeift und schnalzt. „Hier sind sie“, ruft die Studentin im Neonbikini. Khaled gibt Gas, die Delphine passen sich dem Tempo der Dhau an, mal sind sie rechts, dann wieder links der Dhau. Für die Delphine ist es ein Wettschwimmen, für die Menschen ein Wettfotografieren. Für Catherine ist es ein eingelöstes Versprechen.

Versprochen ist versprochen: Das Wettschwimmen mit Delfin findet statt

Versprochen ist versprochen: Das Wettschwimmen mit Delfin findet statt

Allgemeine Informationen: www.omantourism.de

Währung: 1 Rial Omani = 1,8872 Euro

Anreise: Flug mit Oman Air ab Frankfurt über die Hauptstadt Omans Maskat nach Khasab ab 800 Euro, alternativ ist Musandam als Tagesausflug von Dubai aus möglich, ein guter lokaler Touroperator ist in Khasab Musandam Sea Adventure

Übernachtung: SKR aus Köln bietet Musandam als Bestandteil einer 16-Tages-Oman-Rundreise ab 3767 Euro pro Person, ab 2014 Musandam auch als individuelle Verlängerung einer VAE-Reise an, von Maskat aus organisiert Arabica Orient auch Touren.

Für Individualreisende bietet sich das Golden Tulip Resort etwas außerhalb Khasabs an, das Hotel bietet einen kostenlosen Shuttle Service in das Zentrum, DZ/F ab 100 Euro

Essen und Trinken: Gute und preiswerte Fischgerichte, Lammkoteletts sowie Currys bietet das Al-Shamaliyah Grill & Restaurant im Stadtzentrum (einfach fragen, kennt jeder, da sehr populär bei den Einheimischen). Auch frische Säfte. Alkohol nur in der Hotelbar des Golden Tulips.

Ideale Reisezeit: November bis März, im Sommer backofenheiß

Literatur: Empfehlenswert sind die Reiseführer „Oman“ von Peter Franzisky und Kirstin Kabasci aus dem Reise Know-how Verlag, 24,90 Euro sowie das gleichnamige Reise-Handbuch von Gerhard Heck von Dumont, 22,95 Euro.

Eine Reisereportage über den Jemen finden Sie hier und über Petra in Jordanien hier.

Die Reise wurde unterstützt (Pressereise) von dem Reiseveranstalter SKR in Köln

Ihre Meinung Bitte nett bleiben!

Stay tuned - never miss a good story!schliessen
oeffnen