Bahncard oder Halbtax – was gilt wo? Die Tücken des Dreiländerecks D-CH-F ← 25. Juni 2013

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Bahncard, Halbtax oder am besten beides? Was kaufe ich, wenn man als Deutscher in der Schweiz lebt oder als Schweizer in Deutschland? Möglicherweise noch nah an der Grenze?

Grenzgänger stehen oft vor der Frage, was sie sich zulegen sollen: Bahncard, ein sogenanntes Halbtaxabonnement oder beides? Das Halbtaxabo ist das Schweizer Pendant zur deutschen Bahncard 50, beide kommen bei internationalen Fahrkarten in den Genuss von 25 Prozent Rabatt im jeweils anderen Land. Heißt also: Wer mit einer Bahncard seine Fahrt in Deutschland nach beispielsweise Zürich antritt, bekommt auch 25 Prozent Nachlass auf die Schweizer Strecke, umgekehrt gilt das gleiche. Auf Bahn-Deutsch nennt sich dieses Angebot Railplus.

Riehen liegt bahntechnisch in Deutschland

Nun könnte man also einfach annehmen, dass jemand, der beispielsweie in Riehen (CH) seine Fahrt antritt um mit einmal Umsteigen am Badischen Bahnhof (zu dem später mehr) nach Köln zu fahren und stolzer Eigentümer eines Halbax-Abos ist, in den Genuss einer Reduktion kommt. Dem ist aber nicht so. Denn die Zugstrecke, an der Riehen liegt, gehört nicht etwa der Schweizer Bundesbahn (SBB), sondern der Deutschen Bahn. Dies führt auch zu dem Kuriosum, dass es in Riehen für den Fernreiseverkehr nur einen DB-Fahrkartenautomat gibt, keinen von der SBB bzw. nur für Nahstrecken in die Schweiz. Ein Bahnhof mit Schalter existiert auch nicht. Und: Wer eine Fahrkarte in Riehen am Automat zieht, hat auf seiner Fahrkarte als Abfahrort „Lörrach-City“ stehen – und Lörrach liegt als Nachbarort von Riehen bekanntlich in Deutschland. Pech also für die Riehener Halbtax-Abo-Inhaber, Glück für deutsche Bahncard-Besitzer, letztere kommen in den Genuss der Reduktion einer aus Tarifperspektive innerdeutschen Fahrt, obwohl sie in der Schweiz starten.

Tricks und Kniffs für Grenzgänger

Die preisgünstigste Lösung: Halbtax-Abonnenten lösen ein Nahverkehrsticket bis zum Badischen Bahnhof und lösen ein separates ICE-Ticket ab Basel SBB. Tatsächlich umsteigen müssen Sie aber trotzdem am Badischen Bahnhof. Dafür erhalten sie dann 25 Prozent auf das ICE-Ticket. Das ist bei einer längeren Fahrt deutlich günstiger als der reguläre Tarif. Insidertipp: Es lohnt sich durchaus die Online-Tarife der SBB mit denen der Deutschen Bahn zu vergleichen, beim letzten Check kamen mir die SBB-Tarife mit Zugbindung deutlich günstiger vor.

Für Bahncard-Inhaber, die kein Halbtax-Abo besitzen, aber beispielsweise ab Basel nach Zürich fahren wollen, heißt das auch: Unbedingt die Fahrkarte ab dem Badischen Bahnhof lösen, und wer wieder in absehbarer Zeit zurück will, sollte das Rückfahrticket ebenso mitbuchen, denn am Züricher Hauptbahnhof guckt man mit seiner deutschen Bahncard in die Röhre, denn der Badische Bahnhof ist wiederum aus Schweizer Perspektive bahntechnisch schweizerisch – warum auch immer. Jedenfalls müsste man um die Reduktion in Anspruch nehmen zu können, bis nach Freiburg (D) lösen, was dann monetär nicht viel bringt. Fakt ist: Der Badische Bahnhof (engl. „German station“) steht ebenso auf deutschem Hoheitsgebiet wie die Bahnstrecke Lörrach – Riehen, verfügt ebenso nur über DB-Automaten und einen Schalter mit den entspanntesten DB-Schalter-Kollegen, die mir je begegnet sind. Wer den Bahnhof verlassen will, muss allerdings durch den Zoll und landet dann tatsächlich auch terrestrisch in der Schweiz.

Apropos: Ein Besuch in Riehen lohnt sich in jedem Fall. Nicht nur wegen der weltberühmten Fondation Beyerler, sondern seit 2010 auch wegen der Gedenkstätte Riehen, die vor allem den jüdischen Flüchtlingen gedenkt, die während des Nationalsozialismus von Riehener Zöllnern wieder zurück nach Deutschland geschickt wurden. Direkt neben der Bahnstrecke Lörrach – Riehen betreibt eine engagierte Gruppe um den Theologen Johannes Czwalina im ehemaligen Bahnwärterhäuschen eine Mischung aus Gedenkort, Museum und Bibliothek, den jeder besuchen kann. Der Eintritt ist frei. Zur unrühmlichen Historie dieser immer noch deutschen Bahnstrecke gehört nämlich auch, dass die Nationalsozialisten genau auf dieser Bahnstrecke die Lörracher Juden in das Konzentrationslager Gurs deportierten.

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