China für Schwindelfreie – zu Besuch im Hängenden Kloster in Hunyuan ← 23. April 2013

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Schon der Blick auf die Bauweise des Hängenden Klosters in Hunyuan wirkt abenteuerlich. Der Besuch ist es auch, insbesondere für Leute mit Höhenangst.

Schon der Blick auf die Bauweise des Hängenden Klosters in Hunyuan wirkt abenteuerlich. Der Besuch ist es auch, insbesondere für Leute mit Höhenangst.

Dünn wie Zahnstocher wirken die Tannenstämme, die das „Xuankongsi“, auf Deutsch „Hängendes Kloster“, am Berg Hengshan, 70 Kilometer südöstlich der chinesischen Kohlestadt Datong, von unten stützen. Die Balken liegen zu zwei Dritteln in den Felsen. Die teils winzigen Hallen mit Pagodendächern scheinen dadurch wie Schwalbennester an der Felswand 50 Meter über dem Boden zu kleben. Kaum zu glauben, dass Arbeiter diese Anlage bereits vor rund 1500 Jahren errichteten. Wer kommt bloß auf die Idee ein Kloster an einer steil abfallenden Felswand zu bauen? Zudem liegen die Minigebäude die meiste Zeit im Schatten, im Juli konnten sich die Mönche gerade mal über vier Stunden Sonnenlicht täglich freuen, ohne Heizung im Winter nicht vergnügungssteuerpflichtig. Die Durchschnittstemperatur in und um Datong beträgt im Jahresmittel 5,5 Grad Celsius, im Winter sind minus 20 Grad normal.

Doch alles hat seinen Grund. Denn unterhalb des Hängenden Klosters verlief die damalige Pilgerroute von Datong nach Wutai Shan, einem der vier heiligen Berge des Buddhismus in China. Die Reisenden machten auf dem Wege Halt im Kloster um sich dort zu erholen. Zudem verläuft unterhalb der Steilwand der Fluss Hun, der bei heftigem Regen schnell über die Ufer trat. Da die meisten Chinesen abergläubisch waren – und heute immer noch sind – dachten sie, man könne durch die Errichtung eines Tempels, der auf die davor liegende „Schlucht des Goldenen Drachen“ (Jinlongxia) blickt, den Fluss besänftigen und sich gleich selbst vor Fluten und vor Feinden schützen. So schien die Lösung eines „schwebenden“ Klosters aus damaliger Sicht praktisch. Heute schützt eine schlichte Staumauer vor Überschwemmungen.

Bis in die 90er Jahre lebten hier noch zwei Mönche, welche die Besucher bei Opfergaben und beim Beten unterstützten, heute steht das Kloster leer. Doch eins ist sicher: Die Mönche, die hier ihr Dasein fristeten, mussten schwindelfrei sein. So überkommen beim Besichtigen des Bauwerks auch geübten Reisenden mulmige Gefühle, zum Beispiel wenn man die drei bis vier Meter lange Holzbrücke überquert, die den unteren Teil des Klosters mit dem oberen verbindet. Sie erinnert eher an eine Hühnertreppe, vielleicht 70 Zentimeter breit, die Geländer sind 60 bis 70 Zentimeter hoch und gehen einem normalgewachsenen Mitteleuropäer allenfalls bis zum Oberschenkel. Rechts und links wartet der 50 Meter tiefe… mehr

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