Kanada: Auf den Spuren der Eisbären in Manitoba ← 7. November 2012

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Birgit-Cathrin Duval, freie Journalistin aus Efringen-Kirchen bei Basel, weilt derzeit in Kanada. Genauer gesagt begibt sie sich auf die Spuren von Eisbären und ultraharten Marathonläufern, die den 50 Kilometer langen „Polar Bear Marathon“ bewältigen wollen. Am 20. November beginnt das Sport-Event, lesen Sie in den kommenden Tagen mehr über Birgits Abenteuer hier

Reiseratte: Du bist schon das vierte Mal auf den Spuren der Eisbären unterwegs – warum?

Birgit-Cathrin Duval: Vor zehn Jahren war ich zum ersten Mal in Churchill an der Hudson Bay im Norden Manitobas in Kanada. Damals fotografierte ich Eisbären von einem Tundra Buggy aus. Das sind umgebaute monströse Busse auf riesigen Rädern, die hinten eine Plattform haben, von der aus man die Eisbären beobachten und fotografieren kann. Wenn sich einer der Eisbären auf die Hinterpfoten stellt und aufrichtet, kommt man ihnen ganz, ganz nah, war unglaublich faszinierend ist. Allerdings ist es ein wenig wie in einem Zoo, weil man sich ja in einem abgesicherten Raum befindet und von oben herab auf die Eisbären schaut.

Diese einsame Gegend, das Leben der Menschen dort, die Polarlichter und natürlich die Eisbären sind von einer Faszination, die sich nur schwer beschreiben lässt. Die Provinz Manitoba wirbt mit dem Spruch „Spirited Energy“ , was man in etwa mit vibrierende Energie übersetzen kann. Und so ist es: Diese Gegend vibriert vor Abenteuer.

Eisbären gelten ja als gefährliche Tiere. Wie waren deine Begegnungen mit dem Tier bisher?

Der Eisbär ist davongelaufen. Nein wirklich, es war tatsächlich so. Das war vor zwei Jahren in der Nanuk Polar Bear Lodge. Wir waren eben mit dem Buschflieger in der Lodge, die von einem Drahtzaun umgeben ist, angekommen, als ein Bär auftauchte. Natürlich wollte ich den fotografieren und bin recht zügig Richtung Zaun gelaufen. Der Bär wurde nervös und lief davon. Unser Guide Andy erklärte mir dann danach, dass man sich nie so schnell einem Bären nähern darf.

Überhaupt war das das wichtigste: unsere drei Guides erklärten, wie wir uns als Gruppe zu verhalten hatten. In den kommenden Tagen erlebte ich eine faszinierende Zeit. Wir fuhren auf Quads in die Tundra und kamen vielen Bären sehr nahe. Natürlich sind Eisbären gefährlich, aber wenn man sich entsprechend verhält lässt der Eisbär es zu, dass man sich in seiner Nähe aufhalten kann ohne dass er sich gestört fühlt. Dieses Erlebnis, Auge in Auge auf gleicher Höhe mit einem Eisbären zu sein, gehörten zu meinen faszinierendsten Erlebnissen. Oder wenn man morgens aufwacht und aus seiner Hütte sieht und da streunt ein Eisbär vor dem Zaun herum, solche Erlebnisse sind einfach unbeschreiblich. Auf meinen Video habe ich einige Impressionen davon eingefangen, das sieht man auch wie nahe man den Bären kommt. Diese einzigartige Art, Bären zu beobachten wird von Churchill Wild angeboten. Das Familienunternehmen hat mehrere Lodges in abgelegenen Gebieten, die nur mit Buschflugzeugen erreicht werden können. Viele professionelle Tierfotografen aus aller Welt sind immer wieder auf den Lodges, weil sie hier einzigartige Aufnahmen bekommen, die z.B. von einem Tundra Buggy aus so nicht möglich wären.

Was hat es genau mit dem Eisbär-Marathon auf sich? Wie strapaziös ist das?

Eine verrückte Idee, nicht wahr? Ich selber bin einige Marathon gelaufen und weiß, wie hart das ist. Beim Polar Bear Marathon handelt es sich sogar um einen Ultramarathon von 50 Kilometer Länge (Details und Anmeldeformular hier). Die Läufer sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Es kann milde zehn Grad minus haben oder aber Temperaturen von bis zu 40 Grad minus. Nimmt man den eisigen Wind von der Hudson Bay dazu, kann sich das ganz schnell mal wie minus 50 Grad anfühlen.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie man in einer solchen Kälte eine so lange Strecke laufen kann. Die Läufer müssen sich extrem gut vor der Kälte schützen. Es sind einige Ultra-Maratonläufer dabei, wie Mike Pierce der bereits einen Marathon am Südpol gelaufen ist. Außerdem Erik Alexander, ein Bergsteiger der mehrere Male den Mt. Everest bestieg und sogar einen Blinden zum Gipfel führte. Die sind die Kälte gewöhnt.

Doch den Läufern geht es nicht um Ruhm und Ehre. Sie laufen, weil es einen solchen Marathon noch nie gegeben hat. Einer, der mitten durch das Eisbärengebiet führt. Und weil sie Sponsorengelder für ein Projekt sammeln: Das Geld kommt einem First Nation Stamm im abgelegenen Norden Kanadas zu Gute. Damit Begegnungen mit Eisbären nicht eskalieren, werden die Läufer in Gruppen unterwegs sein und von Begleitfahrzeugen eskortiert, die auch für die Verpflegung unterwegs sorgen. Der genaue Streckenverlauf kann erst kurz vor dem Start festgelegt werden – es kommt auf die Wetterverhältnisse an.

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