Blühende Kunst-Landschaften ← 19. Juni 2012

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Vielleicht ist es gerade die Abgeschiedenheit der Provinz, die Kunst braucht, um zu gedeihen. Aktuelles Beispiel: Die Documenta in Kassel. Wer hätte wohl Anfang der 50er Jahre an den internationalen Erfolg von Arnold Bodes Wiederaufbau-Idee geglaubt? Eine ähnliche Erfolgsgeschichte bahnt sich in der schleswig-holsteinischen Provinz an. In Büdelsdorf, einem Städtchen an der A7 Richtung Dänemark gelegen. Auch dort ist die zeitgenössische, internationale Kunst zu Hause – in einer ehemaligen Eisengießerei und Jahr für Jahr während der knapp vier Monate dauernden NordArt.

Die Ausstellungshalle der NordArt, einst Schleswig-Holsteins erste Eisengießerei. ©Kunstwerk Carlshütte

Kein Rahmen könnte passender sein für die NordArt als die alte, 22.000 Quadratmeter große Eisengießerei mit ihrem morbiden Charme, der Höhe und Weite des Raumes, den vielen lichten und auch dunklen Ecken. Genug Raum für jedwede Art von Kunst: Malerei, Bildhauerei, Installationen. Und was nicht in die Halle will, kommt in den Park. Der weitläufige, 80.000 Quadratmeter große Skulpturenpark macht Kunst tatsächlich fühlbar, erlebbar, begehbar. Seit das Schleswig-Holstein Musik-Festival in der Thormann-Halle auf dem Gelände seine öffentlichen Proben durchführt, wird Kunst im Kunstwerk auch noch hörbar.

Kuscheln verboten: Die überdimensionalen Plüschtiere der Berliner Künstlerin Katharina Moessinger sind aus echten Fellen gearbeitet. ©Kunstwerk Carlshütte

Im Skulpturenpark der NordArt stehen unter anderem das "Segel" aus Marmor des bulgarischen Bildhauers Gheorghi Filin und die Stahlskulpturen "Muse I-II" der estnischen Künstlerin Inga Aru. ©Kunstwerk Carlshütte

Die jährlich neu kuratierte Schau ist in nur 14 Jahren zu einer der größten Kunstausstellungen Europas gewachsen. In diesem Jahr nehmen 245 Künstler aus 50 Ländern daran teil. Das Besondere an der diesjährigen NordArt ist der China-Pavillon: Als Teil des Chinesischen Kulturjahres in Deutschland wird die Sonderschau „Forms of the Formless“ mit 33 der bedeutendsten Künstler des Kulturjahres gezeigt. Im Anschluss daran werden in einer Einzelschau zudem Werke des NordArt-Preisträgers 2010, Zeng Chenggang, zu sehen sein.

Das Kunststück einer international beachteten Jahresschau gelingt, weil zwei Männer sich dafür ins Zeug legen: Hans-Julius Ahlmann, Chef der ACO-Unternehmensgruppe, Eigentümer der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte und Mäzen (wie schon seine Vorfahren). Und Wolfgang Gramm, Künstler und Kurator der NordArt, dem es in jedem Jahr gelingt, das Kunstwerk neu zu erfinden.

Blick in den so genannten China-Pavillon. ©Kunstwerk Carlshütte

Mit dem China-Pavillon ist die Carlshütte zum zweiten Mal „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ geworden. Im vergangenen Jahr gab es zudem den Deutschen Kulturförderpreis für die ACO-Gruppe.

"Suspending Foundation Stones | Aufgehängte Grundsteine", eine Installation der chinesischen Künstlerin Shi Hui. ©Kunstwerk Carlshütte

Praktisches:

Die NordArt läuft noch bis 30. September, mittwochs bis sonntags 11 bis 19 Uhr. Am 15. September findet die „Lange Nacht der Lichter“ statt. Dabei werden der mit 1o.000 Euro dotierte NordArt-Preis sowie der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis verliehen.

Das Kunstwerk Carlshütte liegt in Büdelsdorf, A7, Ausfahrt Rendsburg/Büdelsdorf, Vorwerksallee. www.kunstwerk-carlshuette.de

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