Devon: Ginfabrik, Skorbut, Mayflower ← 19. April 2012

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Plymouth Gin in der belebten Southside Street. Plymouth liegt direkt an der südenglischen Küste in Devon und grenzt direkt an die Grafschaft Cornwall

In Plymouth gibt es eine Gin-Fabrik, die bereits seit 1793 unter dem Namen Plymouth Gin ihr Getränk herstellt. Das Gebäude in der Innenstadt ist nicht zu verfehlen, schon von weitem prangt das Firmenlogo an der Wand des alten Gebäudes, einzelne Teile wie der Speisesaal gehen auf das Jahr 1431 zurück. Plymouth Gin ist die älteste noch funktionierende Ginfabrik, die viktorianischen Kessel, in denen der Alkohol destilliert wird, sind Originale und stammen aus dem Jahr 1850. Leider dürfen wir in der Fabrik nicht fotografieren – weniger aus Angst vor Betriebsspionage, versichert uns Guide Edward Hayward, sondern mehr wegen der Gefahr, dass aus dem Betrieb einer digitalen Kamera ein Feuer entstehen könnte.

Wie wird also Gin hergestellt? Im Prinzip ist Gin destillierter Weizenschnaps, der in jedem Fall mit Wachholderbeeren und im Falle von Plymouth Gin mit Zitronenschalen, Orangenschalen, Iriswurzeln, Koriander sowie Kardamon aromatisiert wird. Bedingung, dass sich Gin Plymouth Gin nennen darf, ist, dass er innerhalb der Stadtgrenzen von Plymouth hergestellt wurde.

Der Vorläufer des heutigen Gins heißt Genever und stammt aus den Niederlanden. Der

Die wichtigsten Zutaten für Plymouth Gin auf einen Blick: Wachholderbeeren, Zitronenschalen, Orangenschalen, Iriswurzeln, Koriander und Kardamon

Begriff „Gin“ erinnert an eine der wichtigsten Aromageber, der „juniper berry“ (= Wachholderbeere). Gin zusammen mit Wermut („Vermouth“) ergibt einen der berühmtesten Cocktails, den Martini (Stichwort: James Bond: „gerührt und nicht geschüttelt“ – kennt man ja). Da der Weizen während des Weltkriegs II knapp wurde bzw. die Ernährung der Bevölkerung wichtiger war als Alkohol, stellte die Fabrik den Gin damals aus Zuckerrohr her, worunter der Geschmack, so Hayward, gelitten habe. Guter Gin, so lernen wir, hängt vom Alkoholgehalt ab: So gilt der Gin „Navy Strength“ mit 57 Prozent Alkohol als qualitativ besser als der normale mit 41,2 Prozent Alkohol.

Was heute für einige das tägliche Glas Rotwein „für die Gesundheit“ ist, wahlweise auch Klosterfrau Melissengeist, war früher ein Cocktail namens Gimlet: Ein gewisser Sir Thomas Gimlet erfand den nach ihm benannten Cocktail aus Gin und Limonensaft für die Royal Navy um die Matrosen vor dem durch Vitamin-C-Mangel verursachten Skorbut zu bewahren.

Gin mit Schlehen – eine Besonderheit

In dem Gebäude von Plymouth Gin sollen die Pilgerväter vor ihrer Fahrt mit der Mayflower die letzte Nacht von 5. auf 6. September 1620 in der Heimat verbracht haben, leider gab es die Ginprophylaxe damals noch nicht.

Nachdem der schwedische V&S-Konzern Plymouth Gin 2004 übernahm und bereits 2009 an Pernod Ricard verkaufte, befindet sich Plymouth Gin unter einem Dach mit anderen Ginmarken wie Beefeater und Seagram’s Gin.

Info: Täglich sechs Führungen von 10.30 bis 16.30 Uhr (außer sonntags, da nur vier Führungen zwischen 11.30 und 15.30 Uhr), Dauer ca. eine Stunde, Kontakt und Reservationen: Plymouth Gin,60 Southside Street The Barbican, Plymouth, Devon, PL1 2LQ, Email hier, Fon 00 44 1752 665292

 


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