Cornwall: Prideaux Palace, Englisches Frühstück ← 2. April 2012

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Englisches Frühstück im Fifteen Cornwall: Speck mit Ei, darunter versteckt eine kornische Wurst, Weißbrot, eine halbe gegrillte Tomate und ein „Portobello“-Mushroom ( = mondäner Name für nicht mehr ganz junge Champignons)

Die Engländer sind berühmt für ihr Frühstück, wer das „full English breakfast“ bestellt, wird garantiert satt. „Ham and eggs“, also Schinken und Ei, gehören dazu, Toast, Würstchen, gebratene Tomaten und „baked beans“ dürfen auch dabei sein. Nicht nur jedes englische Hotel bietes es an, es wird auch reichlich von den Einheimischen verzehrt, ist also kein Touristengag. Nun gibt es aber durchaus Bandbreiten in Geschmack, Zusammensetzung und – ja – auch Optik, denn auch die Augen essen mit. In unserem ersten Hotel in London in der Nähe des Bahnhofs Victoria sah das Frühstück so aus (siehe unten rechts), im Fifteen Cornwall, einem Restaurant des bekannten britischen Fernsehkoch Jamie Oliver, fand ich das Frühstück (siehe links) persönlich etwas appetitlicher. Allerdings gebe ich auch offen zu: schwimmende Bohnen zum Frühstück finde ich grausig. Jedenfalls haben wir uns gestärkt von besagtem Restaurant, übrigens

Schwimmendes Frühstück im Sidney Hotel in London

sehr stylish eingerichtet, mit breiter Fensterfront auf die Irische See, auf den Weg nach Prideaux Place gemacht.

Wer das elisabethanische Gebäude erblickt, neigt automatisch dazu, aus dem bescheidenen „Prideaux Place“ ein „Prideaux Palace“ zu machen. Übersetzt wird es in der deutschsprachigen Broschüre auch mit „Schloss Prideaux“. Mit 81 Zimmern und der imposanten Architektur kommt Schloss schon eher hin: das Haus hat die Form eines E, um die zurzeit des Baus regierende Königin Elizabeth I zu ehren. Seit einigen Jahren strömen deutsche Besucher das Herrenhaus. „Das ZDF ist schuld“, schmunzelt Elke Tanner, die Deutsche stammt aus Freiburg, lebt seit 1999 in Cornwall und führt die Besucher durch sieben noch bewohnte Zimmer. Genauer genommen ist aber Rosamunde Pilcher schuld: Die aus Cornwall stammende Bestseller-Autorin liefert die Vorlagen für die ZDF-Produktionen, allein in 2011 drehte der öffentlich-rechtliche Fernsehsender vier Filme auf Prideaux Place.

Prideaux Place: Lebende Geschichte, Wohnhaus und Filmkulisse

Prideaux Place ist aber auch eindrucksvoll für Besucher, die sich nicht für bemüht englisch agierende deutsche Schauspieler interessieren. In dem Haus wird nämlich noch gewohnt. Der derzeitige Hausherr heißt Peter Prideaux-Brune, ist ein direkter Nachfahre von Wilhelm dem Eroberer und lässt die Besucher sogar in seine Wohngemächer: Dazu gehören eine prächtige Bibliothek mit über 6000 Büchern und farbigen Fenstern, die die Wappen der eingeheirateten Frauen zeigen. Im Frühstückszimmer zeugt ein Telefon in Form eines zusammengerollten Hunds samt dicken Knochen als Hörer von einer gewissen Exzentrik. Die selbstgezüchteten noch lebenden Rehkeulen zeugen dagegen von Exklusivität: Den Prideaux-Brunes gehört nämlich einer der ältesten Dammwildherden Englands. Doch weder Reichtum noch Alter schützen vor

Prideaux Place: Der prächtige Salon gehört zu den Lieblingsdrehorten der TV-Teams.

Zeugungsverlusten: Erst im vergangenen Herbst verausgabte sich einer von drei weißen Hirschen während der Brunftzeit so sehr, dass er an den Folgen seines Fortpflanzungstriebs starb. Keine gute Nachricht, wenn man bedenkt, dass das Familienglück der Prideaux unmittelbar an die Herde gekoppelt ist: Stirbt die Herde aus, besagt eine Legende, stirbt auch die Familie aus.

Umso gezügelter verläuft daher die Familienpolitik der Prideaux-Brunes. Die Tatsache, dass das Haus mit 81 Zimmern immer noch der Familie gehört, sei nämlich alleine der durchgehend pragmatischen Erb- und Heiratspolitik zu verdanken. Tanner: „Zum einen erbt immer der erstgeborene Sohn das gesamte Anwesen, zum zweiten haben die Söhne immer reiche Frauen geheiratet.“

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