Biete Hamburg, suche Basel – Stadturlaub mit Kind und Wohnungstausch ← 25. Januar 2012

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Familie Friedrich/Ritzau aus Riehen bei Basel tauscht für fünf Tage mit Familie Kraft/Ilg aus Hamburg ihre Wohnung. Die Voraussetzungen sind perfekt: Beide Familien wohnen auf etwa 100 Quadratmetern und haben jeweils ein Kind von zwei Jahren, die entsprechende Infrastruktur ist von Wickelkommode über Kinderbett bis zu Laufrad und Autokindersitz vorhanden. Das Gepäck bleibt übersichtlich, die Anpassung der Kinder an die neue Umgebung fällt vergleichsweise leicht, denn die neue Wohnung hält jede Menge Spannendes bereit: Wo stehen die Kochtöpfe? Und wo das Töpfchen? Wie reagiert Mama, wenn ich auf die Knöpfe der fremden Stereoanlage drücke und warum gibt es zu Hause keinen Fahrstuhl? Und: Beide Familien vertrauen einander – Autos und Passwörter fürs WLan werden genauso getauscht wie der Blumenpflegeplan.

Startpunkt Hamburg

Die Fahrtkarten hatten wir schon vor Monaten erfolgreich gebucht: Ich wollte endlich mal das Kleinkindabteil im ICE ergattern. Wir haben uns häuslich eingerichtet und knapp sieben entspannte Stunden im Zug von Hamburg nach Basel verbracht.

Aufbruch in Hamburg        © Nadine Kraft

Die drittgrößte Stadt der Schweiz hatten wir schon einmal ohne Kind bereist. Jetzt wollten wir sie zusammen mit unserer Zweijährigen erobern. Seit unsere Tochter zur Familie gehört, haben sich die Vorzeichen für Städtereisen deutlich verändert. Hotelzimmer sind tabu. Das Geld für eine Suite mit zwei Zimmern fehlt einem als Familie sowieso. Und so endet man stets auf dem Badewannenrand, bis das Kind endlich tief schläft und guckt anschließend James Bond ohne Ton. Wollen die Eltern einen entspannten Städtetrip, bleibt als Rückzugsort nur eine Wohnung.

Unsere Freunde wohnen in Riehen, einer hübschen Kleinstadt vier Straßenbahnstationen von Basel entfernt. Der Zettel mit den praktischen Hinweisen fiel etwas kürzer aus, wir bekamen eine persönliche Instruktion vor Ort: Wo sind familienfreundliche Restaurants, wo die besten Spielplätze und wie erreicht man einen Kinderarzt.

Zum Auftakt gab es echtes Kinderessen – Fischstäbchen und Spinat – und Tim führte Bente stolz sein Spielzeug vor. So entspannt die Anreise, so aufgeregt war die erste Nacht. Beide Kinder fieberten heftig. Ein unangenehmer Gedanke schlich sich bei mir ein: Müssen wir das Experiment beenden, bevor es angefangen hat? Glücklicherweise sah die Welt am nächsten Morgen schon ganz anders aus. Wir entschieden uns, die ersten zwei Tage kindgerecht und ruhig anzugehen: kleine Ausfallschritte in den Ort und auf Spielplätze, am zweiten Tag Besuch im Zolli, wie die Basler ihren Zoo nennen. Leider stapfte gefühlt die Hälfte der Basler Bevölkerung mit uns durch die Anlage – es war ein warmer Feiertag. Unser Kind war gestresst, wir auch und schon nach kurzer Zeit brachen wir entnervt ab und gingen stattdessen ins Riehener Landi, ein eintrittsfreies Freizeitzentrum. Wasserspiele, Schaukeln, Klettern, Buddeln – es war das Paradies.

Faszination Brunnen – hier in Solothurn.    © Nadine Kraft

Samstag dann Elternprogramm: Spezialitätenkauf auf dem Wochenmarkt vor dem historischen Rathaus, Geschäftebummel im wunderschön restaurierten Spalenberg-Viertel und ein Experiment: Museumsbesuch mit Kind. Die großartigen Maschinenskulpturen von Jean Tinguely füllen in Basel ein ganzes Haus. Überall liegen dicke rote Knöpfe,  mit deren Hilfe die Skulpturen zum Leben erweckt werden. Nachdem wir alle mindestens einmal betätigt und auch die hausgroße „Meta Maxi-Maxi-Utopia“ mehrfach erklommen hatten, war das Kind mit dem Kunstvirus infiziert – und die Eltern glücklich. Es folgte ein Ausflug nach Solothurn: barockes Stadtbild, idyllische Einsiedelei und großartiger Italiener unter Kastanien am Aare-Ufer. Am Ende haben wir es sogar noch geschafft, die Fondation Beyerler mitten in Riehen anzusehen. Die Giacomettis erinnerten unsere Tochter irgendwie an ihre Tante, die übrige Kunst war nicht ganz nach ihrem Geschmack. Das Eis im Museumscafé dafür umso mehr. Fazit: Stadturlaub mit Kind ist wie das richtige Leben – wenn jeder auf seine Kosten kommt, wird es ein erlebnisreicher, entspannter Urlaub.

Startpunkt Riehen bei Basel

Unsere Gäste haben die Reise hinter sich, wir noch nicht. Nach einer fast schlaflosen Nacht fährt uns Reinhard mit unserem Auto zum Bahnhof und lässt sich von Michael in die Geheimnisse seines anderthalb Jahre alten Vans einweisen. „Reinhard ist ein erfahrener Autofahrer“, zeigt sich Michael nach dessen Abfahrt entspannt. Eine Woche vorher klang das noch anders: „Huch, Autotausch, wie ist das mit den Versicherungen?“ Die Zugtickets holen wir last Minute am Automaten, im Zug lassen wir uns dank verschlampter Sitzplatzreservierung im Schwerbehindertenabteil nieder und bleiben dort bis Hamburg sitzen. Tim fiebert, das bremst seinen Bewegungsdrang. Nicht schön, aber für die lange Fahrt erweist sich seine Schlappheit als praktisch.

Wenn der Vater mit dem Sohne – durch Hamburg zieht.   © Geraldine Friedrich

Ankunft in Hamburg-Dammtor und 15 Minuten später vor der Haustür im Stadtteil Hoheluft. Uns erwartet eine große, charmante Altbauwohnung über einer Kirche! Tims Lebensgeister erwachen sofort, als er den Puppenwagen sieht und darin den roten Fußball spazieren fährt. Neue Wohnung, neues Spielzeug, so stellt sich ein Wohnungstausch für ein Kleinkind dar. Uns Erwachsene erwartet eine perfekte, sechs Seiten lange Liste in mehreren Kapiteln: Wo einkaufen, wo liegt der Lieblingsitaliener, wie funktioniert der Induktionsherd?

Der erste Tag gehört der Außenalster, wir lassen uns treiben, marschieren mit dem Stadtplan einfach los, legen uns auf die Wiese am Wasser und testen abends den Hausitaliener „Sandro“. Wir sind begeistert. Tag zwei: Zu Fuß quer durch die Stadt bis St. Pauli, Fahrt von den Landungsbrücken mit der Fähre nach Finkenwerder, Abhängen am Elbstrand von Oevelgönne – Tim buddelt begeistert im etwas schmuddeligen Sand – danach Rhabarberschorle in der „Strandperle“. Sonntag: Wir hören tatsächlich um 9.30 Uhr beim Frühstück die Kirchenorgel spielen, später Fahrt mit dem Auto nach Scharbeutz an die Ostsee. Nachdem wir ein älteres Paar ansprechen, das den Strand gerade verlässt, ergattern wir noch gegen 13 Uhr einen Strandkorb. Montag nehmen wir noch den 40. Geburtstag einer Kollegin in einem idyllisch gelegenen Restaurant namens „Alsterpark“ in Ohlsdorf mit. Ein wunderschöner Wanderweg führt uns anderthalb Stunden an der Alster entlang dorthin. Später besuchen wir das Schwimmbad „Kaifu“. Für uns warmduschende Südgewächse unfassbar: Die Außenbecken mit gerade mal 20 Grad kaltem Wasser sind voller Menschen. Fazit: Fünf Tage Sonnenschein bei Temperaturen bis zu 25 Grad führen dazu, dass wir am Ende des Urlaubs viele Kilometer gelaufen sind und kein einziges Museum betreten haben. Und: Wir wollen unsere Wohnung wieder tauschen. Interesse?

2 Kommentare

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  • Nina Pohl - 25. Januar 2012 Antworten

    Wir sind seit 1999 begeisterte Haustauscher und können das Konzept sehr empfehlen. In 2012 werden wir nach Mallorca, Belgien und Florida tauschen.

    Liebe Grüße,

    Nina

    • Nadine Kraft - 25. Januar 2012 Antworten

      Hallo Nina,

      Dein Blog bietet einige gute Ergänzungen zu unserem Text! Vielen Dank

Ihre Meinung Bitte nett bleiben!

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