Benimmtipp Libyen ← 16. Januar 2012

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Nach der Revolution und dem Tod Gaddafis wird das Land für Individualreisende interessanter – aber auch riskanter. Seit November 2011 hat das Auswärtige Amt seine Reisewarnungen verschärft. Die Warnungen gelten (Stand 16.01.2012) nach wie vor. Gerade jetzt ist das Einhalten gewisser Grundregeln geboten.

Dos:

  • Freundlich Grüßen und Begrüßen, entweder libysch-arabisch, hilfsweise (hoch)arabisch, englisch oder italienisch.
  • Höflich bedanken (Danke = „Schukran“)
  • diplomatisch-zurückhaltender Verhalten: So sollten Reisende auf dem Basar weniger temperamentvoll, zeitaufwändig und direkt als in Ländern wie Tunesien und Ägypten nach Preisermäßigung fragen und um Preise feilschen. Heißt: Es wird dort nicht so lange verhandelt i.S.v. erst mal Tee trinken, Wasserpfeife rauchen, oder nur Tee trinken, und um Preis feilschen. Eher ähnlich wie in Deutschland, wenn man fragt, ob es nicht auch etwas günstiger geht.
  • Schultern und Knie bedeckt halten.
  • Schuhe beim Betreten von einer Moschee ausziehen.

Don`ts:

  • Gaddafis Tod und Söldner aus Nigeria als Small-Talk-Thema wählen.
  • Alkohol (der seit Gaddafis Machtübernahme staatlich verboten war und nicht eingeführt werden durfte) in der Öffentlichkeit trinken.
  • Das grüne Buch (3. Universaltheorie) des verstorbenen Diktators, das an allen Schulen als Pflichtlektüre galt, als Zitatensammlung in unverbindlichen Unterhaltungen nutzen.
  • In Wüste oder Gebirge über Geländewagen oder fahrerisches Können des Fahrers lästern sowie technisches, wirtschaftliches und/oder fachliches Können und Wissen von Zivilpolizisten oder staatlichen Führern kritisieren, da man zum Beispiel im Akakusgebirge oder in der Sahara auf Wasser und funktionierende Fortbewegungsmittel angewiesen ist.

Überwachung: Bereits zu Gaddafis Zeiten konnten Reisende, von Verwandtschaftsbesuchen und Geschäftsterminen abgesehen, das Land grundsätzlich nur in Begleitung von Zivilpolizisten und staatlichen bereit gestellten Führern erkunden. Stets mussten sich Touristen bewusst sein, von miteinander konkurrierenden Geheimdiensten überwacht zu werden. Bisher ist nicht bekannt, ob sich die „Wachhund“-Regeln für ausländische Individualreisende gelockert haben. Wer sich für Libyen entscheidet, plant in der Regel lange vorab und muss nach wie vor die aktuellen Informationen des Auswärtigen Amtes verfolgen. Das Land eignet sich aus formellen Gründen (Einreisevisa) kaum als „Last-Minute-Reise“.

Geld: Bereits seit Jahren galt der Euro als beliebtes Zahlungsmittel. Euro wurde dem US-Dollar, nicht nur aus ideologischen Gründen (Feindbild USA) klar bevorzugt.

Frauen: Libyen galt während der Herrschaft Gaddafis übrigens als eines der frauenfreundlichsten Länder Afrikas und im gesamten arabischen Raum. Trotzdem herrschte nie Schleierzwang, Mehrfachehen waren sogar staatlich verboten – selbst Gaddafi musste sich scheiden lassen als er sich von seiner ersten Frau trennte – und die Zahl der Akademikerinnen lag deutlich über der von Akademikern. Gleichberechtigung war in der Staatsverfassung, die er in seinem „Grünen Buch“ begründete, verankert.  Angesichts gestellter Forderungen des Übergangsrats nach (Wieder-)Einführung der Scharia, mögliche Mehrfachehen für Männer und Kopftuchpflicht für Frauen ist die demokratische Entwicklung höchst kritisch (ähnlich wie in Ägypten) zu beobachten. Insbesondere allein reisende Frauen sollten möglichst keinen Streit provozieren.

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