So feiert Kopenhagen Weihnachten ← 9. Dezember 2011

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Wer in diesen Wochen über die zahlreichen Weihnachtsmärkte von Kopenhagen bummelt, könnte glauben, die dänische Hauptstadt habe ein Herz für deutsche Weihnachtsbräuche entdeckt. Neben den noch ungewohnten Treffpunkten begegnen Reisende auch vielen Traditionen wieder – dem Weihnachtsmarkt im Tivoli oder den beliebten Weihnachtstischen bei Royal Copenhagen. Ein adventlicher Besuch.

Nur wenige Schritte und man ist mitten im Weihnachtsgeschehen: Wer vom Kopenhagener Hauptbahnhof – der in diesen Tagen mit viel Pomp seinen 100. Geburtstag feiert – oder von der Busstation am Rathausplatz mit dem größten Weihnachtsbaum des Landes durch die Altstadtgassen der dänischen Hauptstadt schlendert, trifft schon nach wenigen Metern auf den ersten Weihnachtsmarkt. Zumindest gefühlt.

„Julemarked“ heißen die Holzbudenstädtchen auf Dänisch. Sie wirken irgendwie fremd im vorweihnachtlich geschmückten Kopenhagen. Und, ehrlich gesagt, auch ein wenig lieb- und ideenlos. Noch vor wenigen Jahren war das Phänomen der Weihnachtsmärkte in Dänemark völlig unbekannt. Dann entdeckten kleine Provinzstädte wie Tønder oder das Freilichtmuseum Den Gamle By im jütländischen Aarhus die besondere Form der deutschen Gemütlichkeit – und nun scheinen dem Import deutscher Weihnachtsstimmung keine Grenzen mehr gesetzt.

Auf das erste kleine Hüttendorf trifft man in Kopenhagen auf dem Platz Axeltorv. Gleich gegenüber vom Haupteingang des weltbekannten Vergnügungsparks Tivoli locken grelle Schilder zum „Genuss“ von Gløgg, dem nordischen Glühwein, und Æbleskiver, typisch dänischen Krapfen. Die gehören mit ihren Beilagen Marmelade und Puderzucker zur Winterzeit wie Schnee und Kälte. Natürlich schmecken sie am besten selbst gemacht. Das auf dem Julemarked angebotene, industriell gefertige Gebäck erinnert nur entfernt ans Original. Ähnliche Ansätze von Tristesse machen sich auch sonst beim Bummel über den überschaubaren Julemarked breit: Man findet blinkenden China-Tand und asiatisches Billigspielzeug, aber nur wenig Handwerkliches und Typisches.

Ähnlich das Bild auf dem nur wenige Minuten entfernten Weihnachtsmarkt auf dem Platz Nytorv an Kopenhagens Einkaufsmeile Strøget. Und selbst am alten Hafen Nyhavn, der klassischen Flaniermeile unweit von Königlichem Theater und Shoppingtempel Magasin du Nord: Wer Ausgesuchtes wie Lakritze aus einer Manufaktur auf Bornholm oder dänische Handwerkskunst sucht, muss weite Wege zwischen teurem, aber schlechtem Glühwein und preiswerten Handschuhen zurücklegen. Windschiefe Weihnachtsbäume als Dekoration vermögen da nur wenig mehr Atmosphäre zu schaffen – die vorzeigbaren Exemplare ihrer Art sind vermutlich bereits auf den Exportmärkten überall in Europa (und allen voran in Deutschland) eingetroffen.

Apropos Königliches Theater: Kopenhagens traditionsreiche Bühne am Platz Kongens Nytorv findet man in diesen Wochen kaum – das Haus versteckt sich derzeit während einer Renovierung hinter einer riesigen, wechselnden Reklamewand. Vor Weihnachten wirbt darauf ein schwedischer Hersteller von günstiger Mode für Damenunterwäsche. Weihnachten lässt auch hier grüßen.

Ein Weihnachtstisch bei Royal Copenhagen. ©RoyalCopenhagen

Doch, keine Frage, Kopenhagen bewahrt auch liebgewonnene, landestypische Traditionen. Da ist zum Beispiel die königliche Porzellan- und Kristallmanufaktur Royal Copenhagen am Amagertorv, in der alljährlich im Advent festlich gedeckte Weihnachtstische zu bewundern sind (noch bis 24. Dezember).

Und erst recht ein abendlicher Besuch im Tivoli versöhnt dann mit den Allerweltseindrücken vom Tag. Beim „Jul i Tivoli“, dem 18. Weihnachtsmarkt im 1843 eröffneten Familienpark, stehen jetzt russische Weihnachten und östliche Weihnachtsstimmung im Mittelpunkt. Auf 2.000 Quadratmetern erleben Tivoli-Besucher eine russische Stadt im Miniaturformat mit zahlreichen Weihnachtsständen im russischen Gewand und einer 21 Meter hohen Ausgabe der Wassilij Kathedrale als Mittelpunkt, deren Vorbild am Roten Platz in Moskau steht – inklusive Zwiebelturm und Glockenspiel. Drinnen findet sich zwar „nur“ ein Restaurant, aber immerhin.

Weihnachtsstimmung im Tivoli ©Ty Stange/wonderfulcopenhagen

Kinder freuen sich dafür an einer Miniaturausgabe der Transsibirischen Eisenbahn, die durch russische Landschaften mit Weihnachtswichteln und Engelschören fährt. Ganz auf dänische Weihnachtsklassiker verzichten müssen Julebesucher des Tivoli übrigens nicht: Auch dieses Mal erstrahlen wieder zehntausende Lichter im Park. Den „hyggeligen“, sprich: gemütlichen Tivoli-Besuch trübt allerdings der hohe Eintrittspreis von 95 Kronen, rund 13 Euro. Denn für jede Attraktion, für jedes Fahrgeschäft wie Fallturm, Achterbahn und Co. zahlt man extra. Und für Gløgg oder warme Schokolade sowieso (bis 30. Dezember).

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