Am Gotthard geht’s drunter und drüber ← 1. Dezember 2011

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Der neue Mega-Bahntunnel sorgt schon heute für frischen Wind im Herzen der Schweiz

Die spinnen, die Schweizer. Jahrelang bohren Sie emsig den längsten Eisenbahntunnel der Welt durch das schweizerische Zentralmassiv, um so schnell wie möglich von Zürich nach Mailand zu kommen. Gleichzeitig werkeln Eisenbahnfans aus dem ganzen Land 28 Jahre lang daran, die stillgelegte Zahnrad-Bahnstrecke über den benachbarten Furkapass originalgetreu wiederherzustellen. Seit August vergangenen Jahres keuchen zwischen Realp und Oberwald wieder Dampflokomotiven über den Berg. Wohlgemerkt, obwohl man in einem Bruchteil der Zeit durch den Basistunnel zwischen den Kantonen Uri und Wallis pendeln kann. Dieser faszinierende Spagat zwischen Tradition und Moderne ist aber nicht nur der Eisenbahnverrücktheit der Schweizer geschuldet. Er ist längst ein Markenzeichen des vielsprachigen Alpenlandes. Und diese hat ihren natürlichen Mittelpunkt in der Gotthardregion. Hier grenzen mit Uri, Graubünden, Wallis und Tessin nicht nur vier Kantone, sondern auch vier Kulturen und drei Sprachgebiete aneinander.

Furkabahn

Zwischen Realp und Oberwald dampft es wieder.

Der Mythos, der keiner mehr ist
Jahrhundertelang galt er als das Herzstück der Schweiz und uneinnehmbar. Vom Militär und Zivilschutz zerlöchert wie ein Schweizer Käse, sollten sich am Gotthard potentielle Widersacher die Zähne ausbeißen. Heute kapitulieren während der Sommermonate höchstens die Autofahrer vor den Wochenendstaus am Autotunnel. Wer sinnigerweise in Göschenen oder Airolo abbiegt, um alternativ die breit ausgebaute Passstraße über den Gotthard zu nehmen, kommt aus dem Staunen kaum heraus. In den luftigen Höhen des Urseren-Tals herrscht geschäftiges Treiben: Am Ortsrand des gemütlichen Bergdorfes Andermatt entsteht für Milliarden Franken das Andermatt Swiss Alps-Resort. Das Dorf im Dorf soll nach seiner Fertigstellung Ende des Jahrzehnts gleich sechs neue Hotels im 4- und 5-Sterne-Segment sein eigen nennen dürfen, rund 500 Ferienwohnungen, 25 Luxusvillen, eine Konzerthalle und neben diversen anderen Vergnügungen ein komplett modernisiertes Alpinzentrum dazu. Den kommenden Wohlstand verdankt die Bevölkerung des eher bescheidenen Andermatt aber keinem Pakt mit dem Teufel. Alles, was hier in der Initiative des ägyptischen Investors Samih Sawiri geschieht und entsteht, wurde mit der Lokalbevölkerung abgewogen, diskutiert und vereinbart.

Eine Urlaubsregion vermittelt Aufbruchsstimmung
Die Strahlkraft dieses Projekts verleiht der Region San Gottardo schon heute Flügel und ersten Aufwind gleich dazu. Zwischen dem Vierwaldstätter See im Norden, dem jungen Rhein im Surselva Graubündens, dem urigen Goms im Wallis und den Palmen im sonnenverwöhnten Valle Ticino entdeckt man plötzlich das enorme Urlaubspotential der Gesamtregion. „In einer dieser vier Teilregionen der Gotthardregion scheint wegen der Klimascheide garantiert die Sonne“, betont Jean-Daniel Mudry, der das Entwicklungsprojekt San Gottardo nach vier Jahren Projektleitung und Ideenentwicklung an eine junge Führungsmannschaft übergibt. Soll die rasende Bahn doch kommen. Die Wiedereröffnung der Furka-Bahnstrecke ist nur ein Beispiel. Ein besonders grünes liefert das Projekt Elektromobilität. So lassen sich einige der zehn Pässe der Gotthardregion, darunter so klangvolle Namen wie Nufenen und Grimsel, seit vergangenem Jahr ohne Schadstoffausstoß mit Elektroautos erkunden. Für die Saison 2011 ist eine deutliche Ausweitung des Angebotes vorgesehen, das unter dem Namen Alpmobil Schlagzeilen macht. Die Verzahnung der öffentlichen Verkehrsmittel wie Eisen- und Bergbahnen, Postbusse und Schifffahrtslinien ist an dieser Schnittstelle der Verkehrswege zwischen Norden und Süden, Osten und Westen ohnehin beeindruckend.

Mit dem Elektroauto umweltfreundlich unterwegs.

Nicht nur mit grüner, sondern auch langsamer Mobilität  lockt der Vier-Quellen-Weg. In wenigen Tagen können Erwachsene und Kinder zu den Quellen des Rheins, der Reuss, des Ticino und der Rhone wandern. Entweder in einzelnen Etappen, deren Start- und Endpunkte – wie  könnte es anders sein – gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind oder im Rahmen einer fünftägigen Wandertour mit Übernachtung. Und mal ehrlich: was ist schon ein endloser Eisenbahnbahntunnel gegen das Licht, die Farben und die Gerüche einer zünftigen Bergwanderung?

Dass sich das Leben in der Regio San Gottardo schon heute, rund acht Jahre vor der geplanten Eröffnung des neuen Gotthard-Bahntunnels ändert, ist überall spürbar. Es herrscht  Aufbruchsstimmung. Mit deutschen, Italienischen und rhätoromanischen Nuancen. So etwas erlebt man nur in der Schweiz.

Am Gotthard

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