Abzocke an der Landesgrenze ← 21. November 2011

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Ein von den südkoreanischen Behörden erstellter „Reisepass“ für die Einreise nach Nordkorea aus dem Jahr 2008

Visagebühren bringen einem Urlauber ungefähr so viel wie Maklercourtagen einem Wohnungssuchenden: Der Urlauber bezahlt extra Geld ohne dafür eine reelle Gegenleistung zu erhalten. China ist mit 30 Euro für die einmalige Einreise noch günstig, teurer wird es schon, wer nach Indien (50 Euro), in die Mongolei (60 Euro), nach Vietnam (55 Euro für 15 Tage, 64 Euro für bis zu 28 Tage), Gabun (80 Euro, Expressvisum 120 Euro) oder gar nach Sierra Leone (100 Euro) reisen möchte. Libyen liegt mit derzeit 60 Euro für ein Touristenvisum im Mittelfeld. Doch im Falle der Heimat Gaddafis wiegen die Formalitäten schwerer als die Gebühren. So wollte das libysche Konsulat vor vier Jahren einführen, dass jeder Reisende 1000 US Dollar als Sicherheit hinterlegen muss. Zudem sollte jeder Tourist neuerdings persönlich in Berlin beim libyschen Konsulat erscheinen, um dort sein Visum persönlich zu beantragen. Die Möglichkeit das Visum von sogenannten Vermittlern beantragen zu lassen, also entweder durch den Reiseveranstalter selbst oder durch sogenannte Visadienste, sollte wegfallen. „Wir haben damals ernsthaft überlegt, das Land aus unserem Reiseprogramm zu nehmen, denn unsere Gäste sind nicht bereit für ein Libyenvisum extra nach Berlin zu fahren“, erklärt Ury Steinweg, Gründer und Gesellschafter von Gebeco in Kiel. Inzwischen hat der Reiseveranstalter Libyen aufgrund der politischen Lage aus dem Programm genommen.

Von den insgesamt 200 Mitarbeitern des Kieler Unternehmens beschäftigen sich alleine 3,5 nur mit Visafragen. Steinweg: „Wir stehen ständig in Kontakt mit den Konsulaten, um auf die Auswirkungen neuer Visa-Bestimmungen für unsere Gäste hinzuweisen und für Verständnis zu sorgen.“ Das „schwierigste Land“ hinsichtlich Visa sei laut Steinweg derzeit der Iran: Drei bis fünf Wochen dauert es, um eine offizielle Einladung aus dem Iran zu bekommen. Hinzu kommen weitere ein bis zwei Wochen, die das Konsulat braucht, um das Visum zu erteilen. Mit Postlaufzeiten müssen die Visa also mindestens zwei Monate vor Abreise beantragt werden – mit Passbildern, die nicht älter als zwei Jahre sein dürfen. Spontane Buchungen sind also nicht möglich. Auch die Einreise nach Russland erfordert einiges an Durchhaltevermögen: So müssen deutsche Touristen bei ihrem Visumantrag neben den üblichen Papieren zusätzlich eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers über ein ungekündigtes Beschäftigungsverhältnis, einen Einkommensnachweis und manchmal sogar eine Kopie ihres Mietvertrages oder ihres Immobilieneigentums vorlegen.

Wer für ein Visum persönlich vorstellig werden muss, muss den Vorgang als interessante Erfahrung betrachten und notfalls bereit sein einen Tag Urlaub zu opfern. Oder anders ausgedrückt: Die Öffnungszeiten der Konsulate sind arbeitnehmerfreundlich – doch leider oftmals nur aus der Perspektive der dortigen Angestellten. Daher ist es umso wichtiger, dass Reisende die notwendigen Papiere gut vorbereiten und selbst Augen und Ohren offen halten. Eine gute Quelle für die Einreisebestimmungen bietet die Homepage des privaten Dienstleisters Deutscher Visadienst. Dort finden sich unter der Rubrik Länder sämtliche Einreisebedingungen, darunter auch die fälligen Visagebühren, aber eben auch Hinweise auf Dokumente, die für die Reise in das jeweilige Land notwendig sind. Veranstalter wie Gebeco übernehmen zwar grundsätzlich diese Arbeit für ihre Kunden, da sie für ihre Reisen oftmals Gruppenvisa beantragen. Doch im Falle von kurzfristigen Buchungen ist dies nicht immer möglich. Hier kann sich der Einsatz von sogenannten Visadiensten lohnen, die sich für den Reisenden in die Warteschlange im Konsulat stellen und zudem meist die dortigen Angestellten persönlich kennen. Dieser zusätzliche Aufwand kostet beispielsweise im Falle eines Touristenvisums beim Deutschen Visadienst rund 22 Euro.

Zu den klassischen Versäumnissen Reisender gehört übrigens immer noch der fehlende, abgelaufene oder nicht mehr sechs Monate gültige Reisepass. Selten, aber auch schon vorgekommen: Reisende beantragen mit ihrem alten Reisepass ein Visum, haben aber vor Antritt der Reise schon einen neuen Reisepass bekommen. Doch das Visum bezieht sich dann nur auf den alten, abgelaufenen Pass, folglich hat der Reisende kein gültiges Visum mehr. Ebenfalls zu beachten ist: Wer beispielsweise einen Israel-Stempel im Pass hat, kann mit diesem Dokument in fast kein muslimisches Land (Ausnahme Jordanien) einreisen. Umgekehrt jedoch stellen Stempel aus muslimischen Ländern wie beispielsweise Ägypten für die Einreise nach Israel kein Hindernis dar, obwohl sich dieses Gerücht hartnäckig hält. Wichtig: Israel ist für deutsche Staatsbürger zwar visafrei, allerdings müssen deutsche Staatsbürger, die vor 1928 geboren sind, vorab ein Visum beantragen und darin unter anderem bestätigen, dass sie nie der NSDAP angehörten.

Angehörige bestimmter Berufsgruppen müssen berücksichtigen, dass sie bei der Einreise in bestimmte Länder Probleme bekommen können. Dazu gehören vor allem Journalisten und Geistliche, so sind diese Berufsgruppen in einigen Visaanträgen, beispielsweise in den Formularen für China, explizit erwähnt. Gerade aber auch Journalisten hatten in den vergangenen Jahren schon Probleme in die für Privatreisen visafreie USA einzureisen. Der Grund: Bei Journalisten entsteht schnell der Verdacht, dass sie über das Land berichten wollen. Damit sind sie keine Privatreisende mehr, sondern arbeiten vor Ort und benötigen daher ein sogenanntes I-Visum. Wer sich nicht sicher ist, ob er ein Visum benötigt oder nicht, darf den – natürlich gebührenpflichtigen – „Visa-Informationsdienst“ anrufen. Kosten: 1,86 Euro pro Minute.

Auch muss bei Visaanträgen grundsätzlich der eingetragene Name unbedingt dem Namen im Pass entsprechen – und nicht etwa dem Rufnamen. Die meisten Staaten verlangen ein bis zwei biometrische Originalfotos, Scan-Bilder sind in der Regel nicht möglich. Algerien verlangt beispielsweise auch die Kopie eines Versicherungsscheines einer Auslandskrankenversicherung über mindestens 30.000 Euro Deckungssumme. Und im Falle Indien wird neben der Visagebühr eine zusätzliche „Konsular-Service-Gebühr“ von 11,78 Euro pro Visum erhoben. Auch kreativ: Costa Rica verlangt von deutschen Staatsangehörigen zwar kein Visum und damit auch keine Visagebühr. Dafür wird aber vor der Heimreise eine „Ausreisesteuer“ in Höhe von 26 US Dollar fällig. Wer die nicht bezahlt, kann am Abflughafen San José erst gar nicht einchecken.

Allerdings warnt Steinweg davor, die Visapolitik anderer Staaten nur durch die deutsche Brille zu betrachten. „Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen: Was verlangen die deutschen Behörden eigentlich von unseren ausländischen Gästen?“ So weiß Steinweg von einem indonesischen Geschäftspartner, der bereits 32 mal in Deutschland war, aber dann vor seinem 33. Deutschlandbesuch persönlich im deutschen Konsulat in der drei Autostunden entfernten Hauptstadt Jakarta vorstellig werden musste. Für jede Übernachtung musste er einen Buchungsnachweis erbringen und außerdem eine schriftliche Einladung eines deutschen Unternehmens vorlegen. Die Visapolitik eines Landes habe laut Steinweg viel „mit Gegenseitigkeit“ zu tun, also sprich, mit dem, was die deutschen Behörden von den Angehörigen des jeweiligen Staates verlangen. Rein gar kein Zusammenhang bestehe dagegen zwischen der Höhe der Visagebühr und dem Arbeitsaufwand – was hin und wieder seitens der Konsulate gerne behauptet wird. Steinweg: „Gebühr und Formalitäten legt ein Staat nach eigenem Ermessen fest.“ Auch dürfe man nicht vergessen, dass es sich bei den Konsulaten um Behörden handle, die von einem Mehr oder Weniger an Gebühreneinnahmen selbst nicht profitieren und daher auch in dringlichen Fällen nicht schneller arbeiten. Sein Fazit: Es lohnt nicht danach zu fragen, wofür die Gebühr ist und wohin sie fließt. Steinweg: „Entweder man akzeptiert oder man sucht sich eben ein anderes Reiseland aus.“

Visagebühren für deutsche Urlauber (Auswahl)

Land Visumgebühr Land Visumgebühr

Afrika

 

Osteuropa

Algerien

60,00 €

Kirgistan

55,00 €

Äthiopien

17,00 €

Kasachstan

35,00 €

Kamerun

80,00 €

Russland

35,00 €

Kap Verden

45,00 €

Usbekistan

80,00 €

Kenia

40,00 €

Asien

Libyen

60,00 €

Burma

25,00 €

Madagaskar

50,00 €

China

30,00 €

Mali

34,00 €

Indien

50,00 €

Mosambik

30,00 €

Indonesien

45,00 €

Sudan

40,00 €

Mongolei

60,00 €

Tansania

50,00 €

Nepal

35,00 €

Orient

Nordkorea

30,00 €

Iran

50,00 €

Vietnam

64,00 €

Jemen

40,00 €

 

Anmerkung: Die Preise beziehen sich auf Touristenvisa mit mindestens einmaliger Einreise und 30 Tage Aufenthalt, jedoch ohne Expresszuschläge. Gruppenvisa, die vom Veranstalter organisiert werden, sind mitunter günstiger

Quellen: www.visum.de

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