Costa Rica: Natur pur oder Nervenkitzel ← 25. Oktober 2011

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Wer Flora und Fauna liebt, muss nach Costa Rica. Mit über 10.000 Pflanzenarten und allein 205 verschiedenen Säugetieren gehört der Staat zu den artenreichsten Ländern der Welt.

Leguan in Costa Rica

Es regnet und regnet und regnet. Fast scheint es so als schütte der costaricanische Himmel an diesem September nachmittag alles aus, um sieben Deutsche von ihrem bevorstehenden Wagnis abzuhalten. Zunächst erscheint alles harmlos: Bei leichtem Tröpfeln erklimmt eine Gruppe Mitdreißiger im Regenwald bei La Fortuna etwa 20 Minuten lang in flottem Tempo eine Treppenstufe nach der anderen um an Höhe zu gewinnen. Oben angekommen, fängt es an zu prasseln. Egal – ausgerüstet mit Klettergurt, Helm und Handschuhen flitzt jeder einzeln, eingehängt an Rollen auf einem Drahtseil, bis zu einem halben Kilometer von einem Baum zum nächsten, wohlgemerkt in 50 Meter Höhe. Als Start- und Landepunkt dient jeweils eine Plattform, die sich stets um einen kräftigen Baum windet. „Canopy“ nennt sich diese Freizeitattraktion. Mittlerweile gehört sie in der „Schweiz Mittelamerikas“, wie Costa Rica als reichstes Land der Region auch genannt wird, zum touristischen Standard, ursprünglich erfand ein Wissenschaftler diese Fortbewegungsmethode, um Flora und Fauna in den Wipfeln des Regenwalds zu erkunden. Wie sonst sollen Menschen an Brüllaffen, Faultiere und die 850 verschiedenen Vogelarten in luftiger Höhe herankommen?

Doch angesichts des Tempos, bleibt wenig Gelegenheit um etwa den Morpho, einem blauen oder weißen Schmetterling mit 15 Zentimeter Spannweite, zu entdecken oder einen Blick auf den berühmten Quetzal, einer Vogelart, zu erhaschen. Zugegeben: Wer Freude an Europaparkbesuchen hat, dem wird auch das Fortbewegen à la Tarzan Spaß bringen. Zusätzliche Hormonausschüttungen verursachen nicht nur wackelige Gitterroste, die als Start- und Landefläche dienen und den Blick ins Grüne nach unten freigeben, sondern auch die Preise für eine Canopy-Tour: Bis zu 50 Dollar kostet die Teilnahme. Wer jedoch mehr an Flora und Fauna als an Adrenalinschüben interessiert ist, sollte die ruhigere und preisgünstigere Variante wählen: Empfehlenswert für Naturliebhaber sind die „arenal hanging bridges la fortuna“. 20 Dollar kostet es dort auf Hängebrücken geruhsam, am besten mit einem Führer, sämtliche Vegetationszonen des Regenwalds zu erkunden. Das hat nicht nur den Vorteil, dass man plötzlich die Wimpern einer zusammengekringelten gelben Viper („Eyelash Palm Pitviper“) auf einem Baumstamm studieren kann, grüne Frösche auf grünen Blättern erkennt, ganze Ameisenstraßen aus der Nähe erblickt oder die Wurzeln der wandernden Palme („Walking Palmtree“) bestaunen kann. Die Hängebrücken schonen auch die Natur. Kritische Stimmen bewerten das Tarzangekreische der Gringos beim Canopy als störend für die Tiere. Zudem sollen einige der Canopy-Anlagen auch die Baumstämme schädigen.

Der Vulkan Arenal bei La Fortuna

Die Stadt La Fortuna liegt im Nordwesten des Landes am Fuße des 1633 Meter hohen Arenal, einem Vulkan mit insgesamt vier Kratern, der zu den zehn aktivsten der Welt zählt. Nachts lassen sich mit etwas Glück die orangeglühenden Lavaströme beobachten, tagsüber verhüllt sich der Bilderbuchvulkan gerne in Wolken und Rauch. Das kann sich aber innerhalb von Sekunden ändern. Vor allem Reisende, die auf ein Foto des perfekt kegelförmigen Arenal lauern, müssen die Momente abpassen, in denen sich das Wahrzeichen in voller Pracht zeigt. Der Arenal und die umliegenden heißen Quellen, haben der Region ständig wachsende Touristenströme und damit Wohlstand beschert. La Fortuna heißt übersetzt „Das Glück“. Obwohl der Vulkan direkt an die Stadt grenzt und alle Jahre wieder ausbricht, blieb der Ort bislang verschont. Bei seinem letzten großen Ausbruch am 29. Juli 1968 begrub er die angrenzenden Dörfer Pueblo Nuevo, San Luís und Tabacón. „Vielleicht hat der Name etwas damit zu tun, dass die Stadt nie zerstört wurde“, erklärt Paul Valenciano, Chef von Mapache Tours, einem lokalen Reiseveranstalter, der mit dem deutschen Reiseanbieter und Mittelamerika-Spezialisten Travel-to-Nature aus Ballrechten zusammenarbeitet. Doch auf Glück allein verlässt sich die Stadt schon lange nicht mehr. Direkt um den Vulkan hat die Gemeinde in einem Umkreis von zwei Kilometern das Bauen verboten. Das betrifft allerdings nicht die 25 Hotels, die es dort schon vorher gab. Bekannt und berüchtigt für seinen einzigartigen Blick auf die Lavaströme ist das „Tabacón Resort“, denn es liegt genau auf der aktiven Seite des Arenal. Paul erzählt, dass eine pyroglastische Eruption in 2006 nur wenige hundert Meter vor den am Pool liegenden Hotelgästen stoppte. „Es gibt über die Standorte der Hotels immer wieder heiße Diskussionen“, weiß Valenciano. Gäbe es keine Bestimmungen, würden verantwortungslose Hoteliers im Wetteifer um den schönsten Blick auf den Arenal wohl immer näher an den Vulkan bauen und dabei die Sicherheit Ihrer Gäste und Ihres Personals auf Spiel setzen. Die erst 2007 errichtete „Casa Luna Lodge“, einem Hotel mit 24 Zimmern, bei dem die Eigentümer auf eine ökologische Bauweise achteten, liegt mit etwa 4,8 Kilometer weit genug entfernt. Allerdings ragt es nach den neuesten Bestimmungen 200 Meter in die „restricted area“, also der Zone, die noch als mögliche Gefahrenzone gilt.

Der Vulkan Poás bei Rincon de la Vieja lässt sich in den Krater gucken

Doch das Land hat weit mehr zu bieten als das gut erschlossene Gebiet um La Fortuna. Strände existieren für jeden Geschmack, Besucher können zwischen Pazifik und Karibik wählen. Neben dem klassischen Regenwald, gibt es auch märchenhafte Nebelwälder. Sieben aktive Vulkane laden ein zum Besteigen und Wandern oder einfach nur um in den Krater hineinzugucken, insgesamt gönnt sich Costa Rica 22 Nationalparks. Einer davon heißt „Rincón de la Vieja“ und liegt in der Region Guacanaste. Hier lässt sich Vulkanismus aus nächster Nähe erleben. Auf einem gut ausgeschilderten Pfad können Besucher vor sich hin blubbernde, graue Schlammquellen hören, sehen und riechen. Der Schwefel ist so aggressiv, dass er Kameraobjektive beschädigen kann. Tatsächlich lösen sich bei zwei Mitstreitern die Gummisohlen von den teuren Wanderschuhen ab. Typisch für den geologisch jüngsten Teil des Landes sind die eisenhaltige, nährstoffarme rote Erde und das knallgrüne Gras, welches fast schon künstlich aussieht. Der Name Guacanaste rührt von dem gleichnamigen Laubbaum mit ausladender Krone und feingliedrigen Blättern. Von weitem erinnert er übrigens an einen riesigen Schirm – kein Wunder, dass er das Wahrzeichen Costa Ricas ist.

Allgemeine Informationen unter www.visitcostarica.com, mehr über die Hängenden Brücken unter www.arenal.net/tour/hanging-bridges/

Anreise: Günstige Flüge ab ca. 680 Euro bietet Condor von Frankfurt nach San José über Santo Domingo, www.condor.de

Ideale Reisezeit: November bis April, da Trockenzeit

Unterkunft: In La Fortuna: Casa Luna Lodge, ökologisch ausgerichtetes Hotel auf der ungefährlichen Seite des Arenal, DZ je nach Saison zwischen 85$ und 105$ inkl. Frühstück www.casalunahotel.com

Im Nationalpark „Rincon de la Vieja“: Hacienda Lodge Guachípelin, Ranch aus dem 19. Jahrhundert, DZ Standard 65$, DZ Superior 75$ (empfehlenswert) www.guachipelin.com

Essen und Trinken: Tilapia (Fisch aus dem Arenalsee) im Restaurant der Volcano Lodge/ La Fortuna www.vocanolodge.com, Steak in der Casa Luna Lodge

Reiseanbieter: Travel to Nature (früher Waschbär Reisen) bietet als Spezialist für nachhaltiges Reisen seit 1997 Costa-Rica-Reisen an, Familienreisen hat das zum selben Haus gehörige Unternehmen For-Family-Reisen im Programm, der Anbieter wurde bereits mehrfach für seine Reisen ausgezeichnet. Vor Ort lohnen sich Touren mit Mapache Tours

Ärgerlich: Die 26 Dollar hohe Ausreisesteuer, die Costa Rica beim Verlassen des Landes am Flughafen kassiert

Literatur: Empfehlenswert sind die Reiseführer „Costa Rica/ Süd Nicaragua“, Stefan Loose, 1. Auflage 2008, Preis 22,95 Euro, ISBN 978-3-7701-6158-4 oder „Lonely Planet Costa Rica“ (Deutsche Ausgabe), Mairdumont, 1. deutsche Auflage Februar 2007, Preis 24,95, ISBN 978-3-8297-1573-7

1 Kommentar

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  • Brigi - 25. Oktober 2011 Antworten

    und Reise Know How Costa Rica !!!

Ihre Meinung Bitte nett bleiben!

Stay tuned - never miss a good story!schliessen
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