Die Reiseratte in Norwegen (1) ← 31. August 2011

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13.15 Ankunft in Oslo Gardermoen, einem der schönsten Flughäfen, die ich kenne: statt einem endlosen Labyrinth mit niedrigen Decken und Neonröhren, empfängt ein endloser Gang mit Panoramablick auf den nah gelegenen Wald. Natürliches Licht und Naturmaterialien wie Holz und Schiefer zeichnen die Architektur aus, aber man findet dort auch Kunst in Form von „Floor Poetry“ und „Sound showers“: Das sind schnell zu verdauende Kunstwerke, die den Ankommenden und Abfliegenden die Wartezeit verkürzen. Themen: Das Reisen an sich und Norwegens Natur.

Foto 1: Diese Geröllfelder im Nationalpark Femundsmarka sind das, was von den geschmolzenen Gletschern übrig geblieben ist. Was hier aussieht wie auf 2000 Meter Höhe in den Alpen liegt hier übrigens nur auf 800 Meter über dem Meeresspiegel. Die Baumgrenze sinkt je weiter nördlich man kommt, hier haben nur noch Moose, Flechten und Kiefern eine Chance, letztere wachsen aufgrund des trockenen und kalten Klimas sehr, sehr langsam. Für alle Pilzfreunde: Als einzigen Pilz findet sich rundum den Zeltplatz der Safran-Streifling (Amanita crocea) – immerhin ein essbarer.

Eine gute Einstimmung auf den viertägigen Trip „Friluftsliv“ nach Femund in Norwegens waldreichster Provinz Hedmark: Wir sind eine Gruppe von acht mehr oder weniger outdoor- und sporterfahrenen Leuten, die sich erstmals trifft, um gemeinsam im Nationalpark „Femundsmarka“ zu wandern, zu angeln und zu zelten. Friluftsliv, auf Deutsch etwas holprig übersetzt „Freiluftleben“, umfasst mehr oder weniger alles, was man an der frischen Luft so treiben kann, grenzt sich aber bewusst von den eher leistungsgetriebenen Outdoorsportarten ab. Oder anders formuliert: Friluftsliv kann heißen, dass jemand stramm wandert, Langlaufen geht, gemütlich Beeren sammelt, an einem Lagerfeuer seine Wurst grillt (noch besser: den selbstgefangenen Fisch, aber dazu später mehr) oder einfach auf einem Stein sitzt und auf viele andere Steine guckt (siehe Foto 1). In jedem Fall sollte es entspannen. Wichtig: In Norwegen darf man fast überall zelten und Waldfrüchte sammeln – es gilt das sogenannte Jedermannsrecht.

Felchen-Burger

Auf den ersten Blick ein normaler Burger, auf den zweiten der einzige Felchen-Burger der Welt, meint zumindest die Hoteleigentümerin und Köchin Ragnhild Husdal des Hotels Bryggeloftet in Elgå. Der Felchen stammt direkt aus dem Femundsee, die Wirtin spricht übrigens perfekt Deutsch.

Die erste Nacht verbringen wir noch nicht im Zelt, sondern auf einem ehemaligen Bauernhof, der bereits in fünfter Generation von Gjertruds Familie betrieben wird. Wie sagt die charmante Wirtin so schön: „Die Kühe sind umgezogen, wir haben jetzt nur noch Gäste.“ Sehr empfehlenswert ist das dreigängie Abendmenü für 400 NOK (= 50 Euro), es gibt Elchbuletten! Überhaupt stellt sich über die nächsten Tage heraus, dass Fleisch und Fisch in zerkleinerter Form ein vorherrschendes Thema der norwegischen Küche sind.

Reise in den Nationalpark: Wie zu erwarten, liegt die Zelterfahrung der meisten ein bis mehrere Jahrzehnte zurück. Ausnahme: Unsere tapfere Wanderfee Beate, die im sechsten Monat schwanger samt schwerem Rucksack, Fotoapparat und Stativ während der ganzen Tour keine konditionellen Schwächen zeigt. Am zweiten Tag der Reise, dem ersten Wandertag, meint es das norwegische Wetter zunächst gut mit uns: Wir starten von Elgå mit der „Femund II“ . Hier geht die Wanderung durch den Femundsparka weiter.

3 Kommentare

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  • Detlef Fritz - 31. August 2011 Antworten

    Schöne Geschichte – und Danke für Deine Nachsicht mit einem formschwächeren Mitreisenden

  • michaela - 1. September 2011 Antworten

    Ein Bericht, wie er typischer für Norwegen nicht sein kann 😉 Ich hoffe, Ihr hattet insgesamt einen schönen Kurzurlaub. Solltet Ihr wieder mal so einen „Tripp“ machen wollen, die Inseln Tjøme und Nøtterøy sind direkt am Meer, aber versprechen herrliche Wanderwege.
    Grüße aus Norwegen

  • Stephanie Holl - 27. Oktober 2011 Antworten

    Eine ganz tolle Homepage. Gehe immer wieder gerne darauf!

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